Auslöschungsschiefe

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Die Auslöschungsschiefe bzw. der Auslöschungswinkel Ɛ bezeichnet den Winkel zwischen einer bestimmten Schwingungsrichtung des Lichts und einer morphologischen Bezugsfläche (z.B. Kristallkante, Spaltbarkeit) im Mineralschnitt. Die Schwingungsrichtung des Lichts entspricht einer Indikatrix-Achse, die morphologische Bezugsfläche einer kristallographischen Achse.

Folgende drei Fälle werden unterschieden:

Gerade Auslöschung: Ɛ=0

Schwingungsrichtung ist parallel zu einer morphologischen Bezugsrichtung. Das Mineral löscht also parallel zu einer Bezugsrichtung aus.

Symmetrische Auslöschung: Ɛ(1)= Ɛ(2)

Zwischen zwei gleichwertigen morphologischen Bezugsrichtungen wird der Winkel der Schwingungsrichtungen halbiert. Das beobachtete Mineral löscht also genau in der Mitte zwischen zwei morphologischen Bezugsflächen aus.

Schiefe Auslöschung: Ɛ(1)≠ Ɛ(2), Ɛ ≠ 0°, Ɛ ≠ 90°

Die Schwingungsrichtung bildet einen beliebigen Winkel mit der morphologischen Bezugsrichtung.


Auslöschungsschiefe als Bestimmungskriterium

Einachsige Minerale (tetragonale, trigonale und hexagonale Kristallsysteme) haben in keiner Schnittlage Auslöschungsschiefe, sondern immer gerade Auslöschung.  Sie können so von niedriger symmetrischen Mineralen (monoklines und triklines Kristallsystem) unterschieden werden, die schiefe Auslöschung haben.

Das Kriterium der Auslöschungsschiefe wird vor allem als Ausschlusskriterium verwendet, um zwei ähnliche Minerale voneinander zu unterscheiden, wenn konkrete Vermutungen vorhanden sind. Zur ersten Bestimmung bzw. Eingrenzung, um welches Mineral es sich handeln könnte, eignet es sich meistens nicht.

Beachte, dass du auf jeden Fall mehrere Körner untersuchen musst, um eine Aussage über die Auslöschungsschiefe treffen zu können!


Kristallsymmetrie und Auslöschung (Stosch, 2009)


Auswahl geeigneter Schnittlagen

Nur die Auslöschungsschiefe geeigneter Kornschnitte ist aussagekräftig. Welche Schnittlage geeignet ist, hängt vom Kristallsystem ab.  Du erkennst die richtige Schnittlage anhand der Kristallform oder an der Interferenzfarbe. Dazu muss in jedem Fall ein Nachschlagewerk herangezogen werden, z.B. der Tröger.

Wichtig! Zur Bestimmung der Auslöschungsschiefe sind exakt orientierte Kornschnitte essenziell. Und: Betrachte nie nur ein Korn, sondern vergleiche viele Körner eines Minerals!
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Bestimmung der Auslöschungsschiefe

Bring die morphologische Bezugsrichtung mit dem N-S Faden des Fadenkreuzes zur Deckung (Drehung des Mikroskoptisches) und lies den Winkelwert am Nonius ab. Anschließend wird der Mikroskoptisch so lange gedreht, bis das Mineral vollkommen auslöscht. Lies nun erneut den Winkel am Nonius ab. Bilde anschließend die Differenz der beiden Winkelwerte. Diese entspricht dem mineralspezifischen Auslöschungswinkel. Eine illustrierte Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Winkelmessung findest du hier.


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Dieser Artikel wurde erstellt von:
Paula Dörfler, Theresa Mond