Dünnschliffzeichnungen

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Mit einem Blick kann man der Dünnschliffskizze die entscheidenden strukturellen Merkmale eines Gesteins entnehmen. Dabei gibt sie den Mineralbestand so wieder, dass Minerale klar identifiziert werden können und der Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen Mineralen sofort deutlich wird.

Dazu ist es notwendig, die Eigenschaften des Dünnschliffs idealisiert abzubilden – und nicht das Gesehene einfach zu kopieren. Im Gegensatz dazu sind Fotos geeignet, Details in ihrer tatsächlichen Erscheinungsform abzubilden. Doch auch Fotos sollen nachbearbeitet werden, und bei Präsentation immer beschrieben und erklärt werden.

Vor dem Zeichnen

Beobachten → Idealisieren

Erst wenn du den Schliff in seiner Vollständigkeit begriffen hast, kannst du mit dem Zeichnen loslegen. Mache dir Notizen zu Bestand und Mineraleigenschaften!

Suche dann eine Stelle, die die meisten beobachteten Eigenschaften aufweist. Sie dient als Anhaltspunkt und Grundlage für die Skizze.

Wenn sich keine Stelle im Dünnschliff finden lässt, die alle Merkmale des Schliffes vereint, kann die Zeichnung aus einer Auswahl an Beobachtungen zusammengesetzt werden.

Bestand

Der prozentuale Anteil der Minerale im Dünnschliff und in der Skizze sollen gleich sein. Ausnahme ist natürlich die Zeichnung eines einzelnen Details. Auch bei Detailzeichnung soll erwähnt werden, in welchem Gestein es gefunden wurde und eine Überblicksskizze beigelegt werden.

Maßstab

Die Zeichnung soll so groß sein, dass jedes gezeichnete Element zu erkennen ist. Das ist wichtig, um abzuschätzen, wie viel Platz die Zeichnung in Anspruch nehmen wird. Rechne generell mit mindestes einer halben DIN-A4-Seite. Zudem soll jeder Zeichnung ein Maßstab oder eine Skala hinzugefügt werden.

Inhalt

Wichtig ist, dass die charakteristischen Merkmale der Minerale im Verband verdeutlicht werden: Relief, Morphologie, Gefüge.

So gelingt die Zeichnung

Zeichne mit Bleistift und ohne Farben.

Farben lenken sonst nur von den Strukturen ab, die zur eindeutigen Identifikation der Minerale entscheidend sind.

Kein Lineal!

Strukturen in natürlichen Gesteinen sind nie perfekt gerade. Der Einsatz eines Lineals ist einzig zur Zeichnung von Zwillingen, z.B. polysynthetischen Zwillingen in Plagioklas, zulässig.

Reihenfolge

Der Beginn fällt leichter, wenn man zuerst das Hellfeld betrachtet. Dort sind viele Korngrenzen, Spaltbarkeit, Chagrin und Relief sichtbar. Dann können weitere Strukturen, die nur unter gekreuzten Polarisatoren sichtbar sind, hinzugefügt werden. Es empfiehlt sich, mit größeren und idiomorphen Mineralen zu beginnen.

Korngrenzen

Genau zu achten ist auf die Form der Minerale. Beobachte, wie sich die Minerale an Korngrenzen verhalten und zeichne gewissenhaft jedes Mineral im Verband, sodass keine Lücken zwischen einzelnen Körnern entstehen. Beachte zudem, dass maximal drei Körner sich in einem Punkt treffen.

Relief

Achte stets darauf, dass das Relief korrekt wiedergegeben wird. Dazu kann man unterschiediche Strichstärken verwenden und/oder Bleistifte mit unterschiedlichem Härtegrad.

Wichtige Mineralgruppen geordnet nach zunehmendem Relief:

Quarz/Feldspat

Glimmer

Amphibole/Pyroxene

Granat

Titanit

Zur Verdeutlichung eines besonders hohen Reliefs kann die Korngrenze mit einer gepunkteten Linie verdoppelt werden.

Interne Strukturen

Interne Strukturen, die nur mit dem Analysator sichtbar sind, werden grau hinterlegt. Dabei soll die Strichstärke/Bleistifthärte mit dem Relief des jeweiligen Minerals übereinstimmen, sodass ein Mineral stets als Einheit wahrgenommen wird.

Vor- und Nachteile von Zeichnungen bzw. Fotos

Zeichnung Fotos
+ Klar verständliche Übersicht möglich + Schnell
+ Unwichtiges kann ignoriert werden, Wichtiges hervorgehoben werden + Darstellung interner Strukturen, z.B. undulöse Auslöschung
+ Zeichnungen sind immer scharf + Möglichkeit, zwei Zustände, z.B. Normalstellung und Auslöschstellung leicht aufzunehmen
+ Gelenkte Darstellung von Alterationen möglich - Kameraausschnitt oft zu klein für Überblick
- Zeitaufwändig - Schärfe schwer einzustellen
- 3D-Effekte treten als unscharfe Stellen hervor
- Alterationen können das gesamte Foto unkenntlich machen
- Schärfe oft schwer einstellbar


Einsatz von digitalen Mitteln

Dünnschliffe kann man leicht einscannen. Die Scanner am Institut haben ausreichende Auflösung, dass man die Scans anschließend so vergrößern kann, dass man von sie in ein Grafikprogramm einlesen und abpausen kann.

Andersherum ist es auch möglich, mit einem Grafikprogramm Zeichnungen in Vektoren umzuwandeln und anschließend weiterzubearbeiten.

Beispiele

Weiterführende Literatur:

Kruhl., J. (2017): Drawing Geological Structures

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Dieser Artikel wurde erstellt von:
P. Dörfler