Datenerhebung und wissenschaftliches Fehlverhalten

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Jede wissenschaftliche Arbeit ist grundlegend in die Recherche von Daten und deren Auswertung unterteilt. Datenerhebung und Datenerfassung erfolgen mit verschiedenen Methoden und Zielen. Bei beiden Teilen müssen strikte Regeln und Standards eingehalten werden. Diese garantieren ein wissenschaftlich exaktes und wertvolles Ergebnis und sind im Folgenden näher erläutert.


Datenerhebung

Die Datenerhebung macht das Herzstück einer wissenschaftlichen Arbeit aus und sollte mit Sorgfalt behandelt werden. Bei einer guten und wissenschaftlich korrekten Praktik der Datenerhebung und Datenbehandlung, gibt es jedoch einige Aspekte zu beachten, welche im Folgenden etwas genauer erläutert werden.

Es gibt in den Geowissenschaften viele Möglichkeiten zur Datensammlung aus unterschiedlichsten Quellenarten: Hierbei kann Fachliteratur ausgewertet werden (Literaturrecherche in der Bibliothek sowie auch online). Außerdem können Feldstudien und Geländekartierungen absolviert, Laborversuche und Experimente durchgeführt, Geländeproben genommen werden. Hierbei muss man sich erst einmal im Klaren sein, ob man eine quantitative oder qualitative Forschung durchführt:

Die Datenerhebung der quantitativen Forschung

Bei der Datenerhebung für die quantitative Forschung bietet sich das Analysieren möglichst vieler bereits vorhandener Daten und des Inhalts von Berichten an, welche sich in Datenbanken finden lassen, sowie das Durchführen von Sekundäranalysen. Bei quantitativen Feldversuchen liegt der Fokus auf Umfragen und Interviews, Messungen von Experimenten und Beobachtungen, Laborversuchen und Statistiken (Hier sollte auch immer eine Fehlerberechnung/-Betrachtung durch mögliche unsaubere Durchführung mit eingebaut werden). Hierbei geht es also eher um die Beschaffung von möglichst vielen Zahlen, Daten und Informationen.

Die Datenerhebung der qualitativen Forschung

Bei der Datenerhebung für die qualitative Forschung nutzt man Fachliteratur (hierbei empfiehlt sich die Schneeballmethode bei der Literaturverzeichnisse/Quellenangaben nach geeignetem Material durchsucht werden (Hier nähere Informationen über diese Methode), deren Inhalt qualitativ analysiert werden sollte, prägnante Interviews und Beobachtungen. Allgemein liegt der Fokus weniger auf dem stark strukturierten, sondern auf einem spezifischen Fall und ist eher subjektiv geprägt, was z.B. bei der Formulierung der Hypothesen genutzt werden kann. Hier geht die Forschung also mehr in die Tiefe und auf spezifische Einzelheiten ein.

Tipp:
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Es ist meist ratsam beide Methoden der Forschung zu kombinieren, da sich diese oft optimal ergänzen. Außerdem lässt sich auch immer ein eigener Gegencheck durch Anwendung mehrerer Analysemethoden empfehlen (in den Geowissenschaften wäre dies bei der Erforschung einer Gesteinszusammensetzung z.B. die logische Überlegung sowie die laborische Gesamtgesteinsanalyse (→ macht die Mineralzusammensetzung Sinn?))


Der Unterschied zwischen Datenerhebung und Datenerfassung ist Folgender:

  • „Die Datenerhebung zielt darauf ab, mathematisch nicht zugängliche Daten zu erheben. Anders als bei der Datenerfassung, erfolgt die Datenerhebung zu keinem Zeitpunkt simultan; die gewonnenen Daten müssen subjektiv interpretiert werden.“

Dadurch ist ein Vergleich mit Daten anderer Studien, welche unter unterschiedlichen Forschungsbedingungen durchgeführt wurden, selten. Hier werden also Daten bereitgestellt, egal ob schriftlich, digital (wie das Speichern der Anzahl von Aufrufen einer Website) oder mündlich (beispielsweise in Form eines Interviews) sein, welche jedoch noch nicht unmittelbar verfügbar sind.

Hier kommt dann die Datenerfassung ins Spiel:

  • „Die Datenerfassung sammelt mathematisch unmittelbar zugängliche Daten. Die Erfassung erfolgt stets simultan oder zeit folgerichtig; es werden objektive Daten gewonnen, sodass ein Vergleich mit ähnlichen Forschungen ermöglicht wird.“

Hierbei handelt es sich also um die automatisierten oder manuellen Arbeitsschritte, die notwendig sind um die gewonnen Daten in eine nutzbare, maschinenlesbare Form zu bringen.3

Die Primär- und der Sekundärforschung

Außerdem lässt sich zwischen der Primär- und der Sekundärforschung unterscheiden:

  • Die Primärforschung umfasst die neue Erfassung von Daten, sodass hier der Rahmen sehr genau bestimmt, diese optimal auf die Forschungsfrage der Arbeit abgestimmt werden können und die Daten außerdem sehr aktuell sind.
  • Die sekundäre Forschung befasst sich hingegen mit den bereits erhobenen Daten aus vorherigen Forschungen, was natürlich zeitlich einen Vorteil mit sich bringt, aber auch die Nutzung von Daten ermöglicht deren Erhebung vielleicht selbstständig aufgrund von finanziellen, logistischen, organisatorischen oder zeitlichen Gründen nicht möglich gewesen wäre.


Beachte:
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Was es bei der Sammlung der Daten jedoch unbedingt zu beachten gibt ist die ausreichende Kennzeichnung der Passagen und Nennung der verschiedenen Datenquellen. Sollte beispielsweise ein Bild mittels Photoshop zur besseren Visualisierung verändert worden sein, muss dies klar gekennzeichnet werden. Dies geschieht in Form von korrekter Zitierweise und einem Quellen- bzw. Literaturverzeichnis.

Im Methodikteil der Arbeit muss außerdem genau beschrieben werden, mit welchen Mitteln und unter welchen Bedingungen die Daten erhoben wurden.



Natürlich ist die bloße Erwähnung von Daten noch keine adäquate wissenschaftliche Arbeit. Erst die darauffolgende genaue Analyse und Bewertung bzw. Interpretation macht die Arbeit dann zu einer vollständigen und beachtenswerten Forschungsarbeit. Außerdem muss ein Bezug zur Forschungsfrage unbedingt hergestellt werden, da es ja Ziel der gesamten Arbeit ist diese zu beantworten.

Ein weiterer Punkt, über den man sich bei der Datensammlung im Vorhinein Gedanken machen sollte, ist der Umfang dieser. Hier lässt sich zwischen der Teil- und der Vollerhebung unterscheiden:

  • Die Teilerhebung umfasst lediglich einen Teil des Gesamtdatensatzes und es werden die repräsentativen Daten ausgewählt, welche eine Aussage über die Gesamtheit der Daten treffen lässt.
  • Die Vollerhebung hingegen, führt die Gesamtheit eines Datensatzes auf z.B. die Gesamtheit von Stimmen bei einer Abstimmung. Logischerweise ist dies nur bei Datensätzen mit einem geringen Gesamtumfang geeignet.


Schlussendlich sollte eine gute wissenschaftliche Datenerhebung/ Datenerfassung folgende fünf Kriterien erfüllen:

1. Objektivität

2. Reliabilität

3. Validität

4. Transparenz

5. Reproduzierbarkeit

Die präsentierten Informationen müssen also vom Forschenden, ohne jeglichen Einflusses einer bestimmten Meinung oder Geisteshaltung und unter stets gleichbleibenden Bedingungen erfasst werden und zu guter Letzt natürlich durch Repräsentativität zur Beantwortung der Forschungsfrage beitragen. Es sollten also auch mögliche relevante Abschweifungen vom gewünschten Ergebnis nicht beschönigt werden und die Ergebnisse von Versuchen und Experimenten sollten jederzeit von anderen Personen mit gleichen Mitteln reproduzierbar sein (hier empfiehlt sich bei Probenanalysen durch externe Labore der Versand dieser an mehrere, unabhängige Labore zum direkten Vergleich von Ungenauigkeiten).


Wissenschaftliches Fehlverhalten

Nach der erfolgreichen Datenerhebung kannst du mit dem Verfassen deiner wissenschaftlichen Arbeit beginnen. Dabei gibt es einige Regeln, die du unbedingt einhalten musst. Fehler und Betrug bei der Erstellung einer wissenschaftlichen Arbeit können schwerwiegende Folgen, wie beispielsweise Aberkennung von akademischen Titeln, haben. Im Folgenden sind die verschiedenen Arten von Fehlverhalten, mögliche Ursachen und Lösungsansätze thematisiert.

Arten von wissenschaftlichem Fehlverhalten

Die ‘‘‘Arten von wissenschaftlichem Fehlverhalten‘‘‘ lassen sich in fünf verschiedene Bereiche unterteilen.

Verletzung geistigen Eigentums

Du entnimmst Inhalte aus anderen Werken und verwendest sie in der eigenen Arbeit. Dieser Ansatz ist essenziell für die Erstellung einer guten wissenschaftlichen Arbeit, aber du musst darauf achten, dass die entnommenen Texte inhaltlich übereinstimmen und richtig als fremdes geistiges Eigentum gekennzeichnet sind. Wird fremdes geistiges Eigentum nicht ordnungsgemäß zitiert, so spricht man von einem ‘‘‘Plagiat‘‘‘. Darüber hinaus sind auch das Stehlen und Veröffentlichen von fremden Ergebnissen Verletzungen geistigen Eigentums.

Angabe von Falschdaten

Daten können erfunden, abgeändert, oder die Versuchsbedingungen manipuliert sein. Alle drei Arten von Falschangaben sind in der Wissenschaft unerwünscht. Wichtig ist, dass du keine Ergebnisse oder Informationen unterdrückst, die Arbeit also transparent dokumentierst. Veränderungen der Ergebnisse, beispielsweise durch ‘‘‘Bildbearbeitung‘‘‘, müssen notiert werden. Um Probleme mit falschen Ergebnissen zu vermeiden, solltest du dir immer die Frage der Reproduzierbarkeit stellen. Um diese umfänglich zu beantworten, sollte die Analyse qualitativ und quantitativ hochwertig sein. Das bedeutet, dass du Versuche mehrmals sauber durchführst und dabei möglichst die gleichen Bedingungen herrschen sollten. Die Daten, die aus Experimenten resultieren, musst du alle vollständig erwähnen.

Tipp:
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In den Geowissenschaften sind die häufigsten Fehlverhalten die bisher genannten. Deswegen solltest du besonders auf deine korrekte Zitation und saubere Arbeitsweise achten!


Fälschung von Daten

Neben den Ergebnissen und Bedingungen während eines Versuchs können auch die Originaldaten verfälscht oder beseitigt werden. Dieses Verhalten verstößt gegen das Gesetz, oder die allgemeinen Regeln wissenschaftlichen Arbeitens.

Inanspruchnahme der Autorenschaft

Die bereits genannten Arten stellen die häufigsten Fehlverhalten dar. Eine weniger bekannte Art ist die Inanspruchnahme der Autorenschaft eines anderen, ohne dass dieser eingewilligt hat.

Sabotage von Forschungen

Die Verstöße müssen sich nicht nur auf die eigene Arbeit beziehen. Eine Sabotage von Experimenten, die ein anderer durchführt, zählt auch zu den wichtigen Fehlverhalten mit schwerwiegenden Folgen. Ähnlich wie bei den Falschangaben können hier Versuchsreihen manipuliert, zerstört oder verunreinigt werden, was zu inkorrekten Ergebnissen bei der Arbeit des Betroffenen führt.


Ursachen wissenschaftliches Fehlverhaltens

Ursachen für genanntes wissenschaftliches Fehlverhalten können gesellschaftliche und strukturelle Hintergründe haben.

Gesellschaftliche Ursachen

Die heutige Gesellschaft ist von einem deutlich spürbaren Leistungsdruck geprägt, der unter anderem Studenten belastet. Er motiviert womöglich zu wissenschaftlichen Arbeiten, die darauf abzielen, möglichst schnell vermeintlich gute Ergebnisse hervorzubringen. Dadurch entstehen leichter Verstöße gegen die oben genannten Regeln, es mangelt an Exaktheit, Reproduzierbarkeit und Wertigkeit der Versuche. Verstärkt wird die leistungsorientierte Arbeit noch durch Konkurrenz, die möglicherweise das gleiche Thema bearbeitet.

Strukturelle Ursachen

Die Struktur der Bildungsinstitutionen stellt eine zusätzliche Herausforderung dar. Es ist oft der Fall, dass Professoren eine sehr hohe Anzahl an Arbeiten betreuen. Ein Grund dafür ist ein zeitlicher, beziehungsweise finanzieller Druck, der durch Dritte, die die Kosten für die Stellen tragen, auferlegt wird. Außerdem gilt beispielsweise die Anzahl an betreuten Doktorarbeiten oft als Statussymbol unter Wissenschaftlern und lässt sie an Einfluss gewinnen. Dadurch verstärkt sich das Interesse an einem frühzeitigen Abschluss der Arbeit. Da neben dem Personal auch finanzielle Mittel für Doktorandenstellen benötigt werden, ist die Rechtfertigung der Projekte eine Grundvoraussetzung für diese Stellen. Wenn die Projektträger kein Interesse an der Bereitstellung von den benötigten Mitteln haben, können keine weiteren Arbeiten ermöglicht werden. Zuletzt ist es in den meisten Fällen so, dass die kritische Beurteilung solcher Arbeiten ebenfalls durch das System verhindert wird. Der Zweitkorrektor orientiert sich an der ersten Korrektur, wodurch selten starke Diskrepanzen auftreten. Grund dafür sind persönliche Beziehungen zwischen den Korrektoren, sowie erneut der Zeit- und Gelddruck.


Lösungsansätze

Um zukünftigem Fehlverhalten vorzubeugen und es zu verhindern, setzen Universitäten auf Methoden wie Aufklärung und praktische Übungen. Vor allem junge Studenten sollen über richtiges wissenschaftliches Arbeiten mithilfe von ausführlichen Dokumentationen, Rahmenbedingungen und Übungen geschult werden. Die TUM und LMU stellen dir umfassende Arbeitsanleitungen und weitere Informationen bereit. Die Übungen können beispielsweise im Studium Geowissenschaften Gesteinsansprachen oder Übungen mit dem Mikroskop sein. Eine weiter Hilfe bietet dir heutzutage frei verfügbare Software, die Texte auf Plagiat prüft. Damit kannst du selbst erstellte Texte kontrollieren, bevor du sie einreichst und mögliche Fehler vermeiden. Allgemein werten Universitäten die Qualität der Arbeiten wichtiger als die Quantität und bemühen sich um eine gute Organisation und Betreuung des Nachwuchses.


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Referenzen

https://www.surveymonkey.de/mp/quantitative-vs-qualitative-research/
http://www.geo.uzh.ch/microsite/olwa/olwa/de/html/unit1_kap15.html
https://eldorado.tu-dortmund.de/bitstream/2003/21609/1/04002.pdf

Buchtitel und Autor nicht vorhanden:
TUM (abgerufen am 10.01.21)
LMU (abgerufen am 10.01.21)

Autor:innen

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Dieser Artikel wurde erstellt von:
Luis Krampert, Elena Wilbert