Inhaltliche Form und Textaufbau einer wissenschaftlichen Arbeit: Unterschied zwischen den Versionen

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Wesentliche Aspekte einer '''Aufschlussbeschreibung''' führen stets vom Großen ins Kleine:<br><br>
 
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*'''Orientierung''' (Angabe der Himmelsrichtungen)<br><br>
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*'''Gesteinsbeschreibung''' der anstehenden Gesteine<br><br>
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*'''Skizze''' und '''Foto''' jeweils mit Angabe des Maßstabs<br><br>  
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*Setzen einer Markierung in der Skizze bzw. auf dem Foto an der Stelle der Probennahme<br><br>  
 
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*'''Wie viele''' und '''welche Proben''' wurden genommen/untersucht?<br><br>
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*Wie wurden die Proben genommen?<br><br>
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*Welche '''Beweggründe''' gab es für die Probennahme?<br><br>
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*'''Wo''' und '''wie''' wurde gemessen?<br><br>
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*'''Welche Standards''' wurden gewählt, falls es sich um eine vergleichbare Methodik handelt? (Eichung der Geräte)<br><br>
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*Welche '''äußeren Bedingungen''' herrschten? (Strom, Temperatur, Punktstrahl, etc.)<br><br>
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*Welche '''äußeren Bedingungen''' herrschten? (Strom, Temperatur, Punktstrahl, etc.)<br>
*Wurden die Daten selbst erhoben oder ist die Probe in ein Labor verschickt worden?<br><br>
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*Wie habe ich meine Proben '''aufbereitet'''?<br><br>
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*Wie '''groß''' ist das zugrunde liegende Probestück?<br><br>
 
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Diese Fragen sollte man sich vor dem Verfassen des Diskussionsteils stellen:<br><br>
 
Diese Fragen sollte man sich vor dem Verfassen des Diskussionsteils stellen:<br><br>
*Was genau zeigen meine Ergebnisse auf?<br><br>
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*Haben sich meine Hypothesen bestätigt?<br><br>
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*Haben sich meine Hypothesen bestätigt?<br>
*Lassen sich aus meinen Ergebnissen weitere Fragestellungen ableiten?<br><br>
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*Welche Erkenntnisse habe ich durch meine Ergebnisse gewonnen?<br><br>
 
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*Der Anfang und der Schluss enthalten jeweils die prägnant zusammengefassten Informationen!<br><br>
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*Dabei vom „Größeren“ ins „Kleinere“ gehen, also zunächst den Anfang (Abstract) und den Schluss (Diskussion) des gesamten Papers lesen, danach dasselbe Prinzip in den Unterkapiteln bzw. Abschnitten anwenden!<br><br>
 
*Dabei vom „Größeren“ ins „Kleinere“ gehen, also zunächst den Anfang (Abstract) und den Schluss (Diskussion) des gesamten Papers lesen, danach dasselbe Prinzip in den Unterkapiteln bzw. Abschnitten anwenden!<br><br>
  

Version vom 6. April 2021, 20:50 Uhr

Soll ein wissenschaftlicher Text verfasst werden, empfindet die Mehrheit der Studierenden zum einen die Anfänge der Recherche und zum anderen das Niederschreiben der ersten Zeilen als größte Hürden.

Obgleich die Fehlerquellen bei der Probennahme, der Präparation sowie der Messung oft in Zusammenhang mit Kontaminationen, ungenügender Erfahrung und Zeitdruck stehen, muss hierbei auch dem Faktor des Zufalls ein signifikanter Einfluss beigemessen werden.

Im Gegensatz zur praktischen Datenerhebung wird die Wahrscheinlichkeit, während des Schreibprozesses einen Fehler zufällig oder aufgrund von Unerfahrenheit zu begehen, dank der Berücksichtigung einiger Grundregeln verschwindend gering. Im Idealfall wird das Verschriftlichen der Forschungsergebnisse dadurch zusätzlich erleichtert.

Auf welche Angaben beim Schreiben geachtet werden sollte, wie ein wissenschaftlicher Text aufgebaut ist, wie der Leser bei Interesse gehalten und zusätzlich der Text schnell in seinem Inhalt erfasst werden kann, ist Inhalt der folgenden Absätze.

Ordentliches Arbeiten


Vor Beginn des Schreibprozesses sollte der Verfasser die Absicht der wissenschaftlichen Arbeit vollständig verinnerlichen.

Die ganze Arbeit ist inhaltlich in Bezug zur Forschungsfrage zu setzen und je nach Anspruch des Verfassers in Bezug auf die zielführende Diskussion des Sachverhaltes zu formulieren. Dabei ist es wichtig, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, wobei die Forschungsfrage als roter Faden die folgerichtige Auflistung der Informationen und Argumente bestimmt. Lange Schachtelsätze und Floskeln sind zu vermeiden. Innerhalb eines Absatzes wird der Leser stets „vom Großen ins Kleine“ geführt. Die Text- bzw. Absatzlänge sollte sich zudem am jeweiligen Informationsziel orientieren.

Um komplexe Sachverhalte verständlich und wahrheitsgemäß wiederzugeben, empfiehlt es sich eine möglichst einfache und nüchterne sprachliche Formulierung zu wählen, Fach- und Fremdwörter eingangs zu erklären und das eigens Geschriebene mehrmals Gegenzulesen (Folgt der Text dem Anspruch der Forschungsfrage?).

Für die Strukturierung eines Absatzes ist es hilfreich je ein Schlagwort zu bestimmen, das anfangs als Orientierungshilfe und später bei der kritischen Überarbeitung als Kontrolle des zielgerichteten Schreibens dient.

Der erste Satz in einem Absatz definiert die Thematik des Abschnitts und informiert einleitend über die Bedeutung des spezifischen Themas für die Forschungsfrage bzw. über die relevanten Erkenntnisse des folgenden Absatzes. Ebenso sollte der letzte Satz den Absatz inhaltlich abrunden und optional bereits zum nächsten Argument überleiten.

Von der geotechnischen Messung über die Kartierung von Störungssystemen bis hin zur geochemischen Analyse – eine geowissenschaftliche (Bachelor-)Arbeit basiert auf den erhobenen Daten. Wer die Arbeitsschritte und Messung ordentlich ausführt und über das benötigte Wissen verfügt, erhält entsprechend repräsentative Ergebnisse. Um sehr gute Leistungen in einer wissenschaftlichen Arbeit zu erzielen, muss neben den gewonnenen Daten deren Interpretation in der Diskussion überzeugend sein.

Weiter zu beachten, ist die geeignete Wahl von Abbildungsunterschriften. Eine Abbildung ist so zu beschreiben, dass der Leser allein anhand der Grafik und der zugehörigen Bildunterschrift deren Thematik und Relevanz begreift.

Bei längeren Texten ist es zudem sinnvoll, die äußere Gliederung dem Inhalt anzupassen. Das heißt, neben der Strukturierung in Absätze, schaffen Zwischenüberschriften, Überleitungen und kurze Zusammenfassungen nach längeren Passagen zusätzlich Ordnung.

Einleitung


Die Einleitung bildet zusammen mit dem Hauptteil und dem Schluss das Grundgerüst einer wissenschaftlichen Arbeit. Deshalb ist es wichtig in der Einleitung das Interesse des Lesers zu wecken und ihn/sie dabei an das Thema heranzuführen. Dabei sollte aber unbedingt darauf geachtet werden, nicht zu viel zu versprechen.

In jeder Einleitung sollte die Forschungsfrage formuliert werden, welche für die gesamte Arbeit sehr wichtig ist. Bei der Formulierung gilt: Je genauer die Forschungsfrage formuliert wird, desto leichter ist die eigene Forschung verständlich.

Außerdem ist es nötig, den jetzigen Wissensstand darzulegen, um die Relevanz und den Forschungsstand des Themas herauszuarbeiten. Dabei sollten folgende Fragen beantwortet werden:


  • Welche neuen Erkenntnisse sollen gewonnen werden?
  • Welche Aspekte sind dabei zu beachten?
  • Welche Information braucht der Leser, um das Thema zu erfassen?

Man sollte immer im Hinterkopf behalten, dass auch fachfremde Leser einen wissenschaftlichen Text (z.B. Bachelorarbeit) verstehen sollten. Somit müssen auch in den Geowissenschaften Kürzel erklärt werden.

Falls es sich bei der Arbeit um einen Gelände- oder Kartierbericht handelt, sollte ein geologischer Überblick Teil der Einleitung sein.

Oft kann es vorkommen, dass es über die Erforschung eines Themas unterschiedliche Meinungen gibt. Diese sollten in der Einleitung dargelegt werden, jedoch soll dabei noch keine eigene Meinung einfließen. Erst in der Diskussion und Interpretation kann eine eigene Meinung dargestellt werden.

Die Einleitung sollte mit dem Fazit eine literarische Klammer um die Arbeit bilden.

Achtung:
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Bei der Formulierung der Einleitung sollte darauf geachtet werden, dass sie auch wirklich das behandelte Thema widerspiegelt. Ein falsch formulierter Satz in der Einleitung kann zu hohe Anforderungen an die Ergebnisse der Arbeit stellen. So kann die Arbeit als Themaverfehlung verstanden werden!


Geländearbeit und Probennahme


Der Gliederungspunkt „Geländearbeit und Probennahme“ ist fachspezifisch in den Geowissenschaften häufig Teil einer Forschungsarbeit. Die Abbildung einer Geländekarte empfiehlt sich, wenn an verschiedenen Orten Bohrungen getätigt bzw. Proben entnommen worden sind oder in einem Gebiet mehrere Aufschlüsse beschrieben werden.
Die entsprechend gekennzeichneten Punkte sind in der Kartenlegende und ausführlicher im Fließtext zu beschreiben.

Wesentliche Aspekte einer Aufschlussbeschreibung führen stets vom Großen ins Kleine:

  • Größe des Aufschlusses
  • Orientierung (Angabe der Himmelsrichtungen)
  • Nennung mindestens eines Koordinatenpunktes
  • Gesteinsbeschreibung der anstehenden Gesteine
  • Skizze und Foto jeweils mit Angabe des Maßstabs
  • Setzen einer Markierung in der Skizze bzw. auf dem Foto an der Stelle der Probennahme

Für den Fall, dass mehrere Proben gesammelt worden sind, ist eine einheitliche Nummerierung der Probentütchen und Probenbehältnisse zwingend erforderlich. Der Probenname kann beispielsweise das Datum der Entnahme, die Anfangsbuchstaben des Projektes und den Gesteinsnamen beinhalten, wenn dieser bereits eindeutig aus der Gesteinsansprache im Gelände hervorgeht.

Tipp:
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Einige Filzstifte und Kugelschreiber verschmieren schnell auf den Probentütchen und Probenbehältnissen aus Plastik – ein kleiner mit Bleistift beschriebener Papierzettel, welcher der Probe zugelegt werden kann und alle wichtigen Informationen enthält, hilft dabei, die Ordnung beizubehalten.


Aufzulisten sind des Weiteren jegliche Hilfsmittel, die bei der Probennahme verwendet wurden. Dies ist von Bedeutung, da Hammer, Schaufel, Bohrstock & Co Kontaminationsquellen sind, die bei der späteren Probenanalyse im Labor die Ergebnisse beeinflussen können.
Der Gliederungspunkt „Geländearbeit und Probennahme“ ist deskriptiv und trägt folglich nicht zum Spannungsaufbau bei.

Methoden


In dem Methoden-Teil einer wissenschaftlichen Arbeit sollte beschreiben werden, welche Methoden zur Beantwortung einer Forschungsfrage verwendet werden. Er sollte dabei in der Regel ca. 10% der gesamten Arbeit ausmachen.

In den Geowissenschaften handelt es sich dabei oft um Proben, die für eine Analysemethode oder ein Experiment aufbereitet werden müssen. Obsolete Information sollten hierbei nicht in der Methodik enthalten sein, auf einen Spannungsaufbau ist hier auch zu verzichten.

Zuerst muss die Probennahme beschrieben werden, wobei folgende Fragen zu beantworten sind:


  • Wie viele und welche Proben wurden genommen/untersucht?
  • Warum wurde die Anzahl an Proben gewählt?
  • Wie wurden die Proben genommen?
  • Welche Beweggründe gab es für die Probennahme?
  • Wie habe ich meine Proben aufbereitet?

Einige dieser Fragen sind bereits im Gliederungspunkt „Geländearbeit und Probennahme“ enthalten. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden kann auf die ein oder andere Frage im Methodenteil verzichtet werden. Wichtig ist hierbei nur, keine essenziellen Informationen auszulassen.

Anschließend werden die verschiedenen Methoden aufgelistet. Dies sollte möglichst nüchtern und bei Bedarf in Form von Stichpunkten erfolgen. Die Nennung von kritischen Faktoren spielt dabei eine wichtige Rolle.

Die Analysemethoden sollten möglichst genau beschrieben werden, sodass jeder diese nachvollziehen und reproduzieren kann. Folgende Fragen sollten durch die Beschreibung beantwortet werden:


  • Welches und gegebenenfalls wessen Gerät wurde benutzt?
  • Wo und wie wurde gemessen?
  • Welche Standards wurden gewählt, falls es sich um eine vergleichbare Methodik handelt? (Eichung der Geräte)
  • Welche äußeren Bedingungen herrschten? (Strom, Temperatur, Punktstrahl, etc.)
  • Wurden die Daten selbst erhoben oder ist die Probe in ein Labor verschickt worden?
  • Wie habe ich meine Proben aufbereitet?
  • Wie groß ist das zugrunde liegende Probestück?

Vor allem bei der Beschreibung von Experimenten oder Versuchen muss auf Reproduzierbarkeit und Nachvollziehbarkeit geachtet werden. Hier ist es wichtig anzugeben, welche Parameter und Rahmenbedingungen für den Versuch gewählt worden sind. Dabei kann eventuell auch angeben werden, warum ein Versuch unter bestimmten Bedingungen nicht funktioniert hat.

Bei der letztendlichen Auswertung und Modellierung von Daten muss immer angeben werden, welche Programme dafür benutzt wurden und auf welche Daten Bezug genommen wurde.

Ergebnisse


Im Ergebnis-Teil einer wissenschaftlichen Arbeit werden die Ergebnisse der durchgeführten Experimente oder der im Gelände erhobenen Daten wiedergegeben.

Besonders wichtig ist dabei, zwischen nüchternen Ergebnissen und der Interpretation dieser zu unterscheiden, dies ist nämlich ein häufig begangener Fehler. Im Ergebnis-Teil sollen die Ergebnisse möglichst sachlich und nüchtern dargestellt werden und keine Interpretation der Daten erfolgen.

Da man meist eine recht unübersichtliche Menge an Ergebnissen hat, ist eine sinnvolle Darstellung wichtig. Abbildungen, Plots und insgesamt eine gute Struktur der Daten (dabei auch auf sinnvolle Reihenfolgen achten!) helfen dem Leser, schnell einen Überblick über die Ergebnisse zu gelangen.

Weiterhin sollte man den Unterschied zwischen Daten und den Ergebnissen statistischer Analysen beachten. Der bloße numerische Unterschied zwischen zwei Ergebnissen ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einer statistischen Signifikanz dieser Unterschiede. Dies sollte im Ergebnisteil klar ersichtlich sein.

Ein Beispiel hierfür:
Die Proben von Sediment A enthalten im Schnitt 74% Quarz, die von Sediment B etwa 78%. Ob der Unterschied zwischen diesen beiden Proben aber wirklich signifikant, oder bloß zufällig ist, zeigen erst die Ergebnisse statistischer Analysen!

Diskussion & Interpretation


Im Diskussions-Teil einer wissenschaftlichen Arbeit werden die Ergebnisse, die im Ergebnis-Teil lediglich nüchtern aufgelistet wurden, interpretiert und analysiert.

In diesem Teil eines wissenschaftlichen Artikels hat ein guter Spannungsbogen die größte Bedeutung und man kann bzw. sollte hier nun auch seine persönliche Meinung mit einfließen lassen. Der Diskussions-Teil ist somit der Teil in einer wissenschaftlichen Arbeit, in dem man sich am Meisten „austoben“ kann.

Im Gegensatz zum Ergebnis-Teil werden die Ergebnisse im Diskussions-Teil ausführlich diskutiert. Hier können vergleichende Aussagen getroffen werden, die Werte verschiedener Stichproben oder Ergebnisse von Experimenten miteinander verglichen und aufeinander bezogen werden.

Diese Fragen sollte man sich vor dem Verfassen des Diskussionsteils stellen:

  • Was genau zeigen meine Ergebnisse auf?
  • Haben sich meine Hypothesen bestätigt?
  • Lassen sich aus meinen Ergebnissen weitere Fragestellungen ableiten?
  • Welche Erkenntnisse habe ich durch meine Ergebnisse gewonnen?

Wichtig dabei ist auch, die gesamte Arbeit kritisch zu reflektieren, mit den Ergebnissen anderer, ähnlicher Arbeiten zu vergleichen und die Notwendigkeit weitergehender Forschungen zu beleuchten. Im Diskussionsteil sollte auf jeden Fall herausgearbeitet werden, welche Bedeutung die Ergebnisse bzw. gewonnen Erkenntnisse haben.

Ausblick


Der Ausblick kann alternativ je nach Inhalt ebenso als Zusammenfassung, Schlussfolgerung oder Fazit in die Gliederung aufgenommen werden. Einige Verfasser verzichten auf einen eigenen Unterpunkt für den Ausblick, sodass dieser als letzter Absatz schlicht Teil der Diskussion ist.

Generell gilt, im Ausblick wird die Kernaussage der Forschungsarbeit kurz und bündig wiedergegeben. Für den Leser ist dieser Abschnitt beim Überfliegen des Textes daher neben der Einleitung („Abstract“), den Ergebnissen und der Diskussion entsprechend auch von Interesse.

Weiter liegt der Fokus weniger auf der Beantwortung der gestellten Forschungsfrage – dies ist Thema der Diskussion – sondern auf neuen, thematisch naheliegenden und bisweilen unbeantworteten Fragestellungen.
Bestenfalls resultieren die weiterführenden Fragen aus den Ergebnissen der eigenen Forschung. Publizierende Wissenschaftler nutzen diese Charakteristik des Ausblicks, um deren weiteres Vorgehen zu schildern oder auf andere relevante Forschungsprojekte hinzuweisen.

Der Ausblick sollte das Interesse des Lesers für die themenspezifische, weiterführende Forschung festigen und zu verwandten Forschungsfragen überleiten. Dabei werden jedoch keine neuen Argumente genannt. Der Textinhalt orientiert sich stets am Informationsziel der eigenen Forschungsergebnisse und hebt, um die Arbeit abzurunden, in erster Linie die Relevanz des Gelesenen hervor.

Endredaktion und Fehlervermeidung


In der Endredaktion einer wissenschaftlichen Arbeit sollte das gesamte Vorgehen kritisch hinterfragt werden. Der Verfasser sollte dabei versuchen gegen sich selbst zu argumentieren.

Folgende Fragestellungen können dabei helfen:


  • Wie liest jemand meine Arbeit?

  • Sind meine Ergebnisse kompakt zusammengestellt?

  • Passen Fragestellung und Schluss überein?

  • Folgt alles einem roten Faden? / Erscheint die Reihenfolge logisch?

Am wichtigsten ist es, während der Beantwortung dieser Fragen offen zu bleiben und sich auch in die Sicht des Lesers zu versetzen.

Wie kann ich einen Text „schnell“ querlesen?


Zu Beginn einer wissenschaftlichen Arbeit steht die Literaturrecherche. Um bei der Suche nach geeigneter Literatur möglichst schnell entscheiden zu können, ob der jeweilige Artikel eine Relevanz für das eigene Forschungsprojekt aufweist oder nicht, ist ein effizientes Querlesen von Fachartikeln sehr hilfreich.

Dabei bietet es sich an, mit demselben Prinzip vom „Größeren“ ins „Kleinere“ vorzugehen. Zu Beginn steht die Frage, ob der Artikel grundsätzlich für eigene Forschungsfragen inhaltlich relevant ist und es sich daher lohnt, ihn abzuspeichern. Um diese Frage zu beantworten, reicht es meist, das Abstract zu lesen, da in diesem das Ziel und die wichtigsten Ergebnisse des gesamten wissenschaftlichen Artikels in kurzen, prägnanten Sätzen zusammengefasst wurden.

Häufig sind aber nicht unbedingt das ganze Paper, sondern nur einige Abschnitte oder einzelne Fragestellungen inhaltlich relevant. Als Nächstes stellt sich nun also die Frage, welche Teile des Artikels von besonderem Interesse sind. Was man hierfür nach dem Abstract als Zweites lesen sollte, ist der Diskussions-Teil, da man in diesem sowohl alle Ergebnisse interpretiert und diskutiert werden, also auch ein Resümee der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit vorgenommen wird.

Die (zunächst) wichtigsten Informationen eines wissenschaftlichen Artikels finden sich also am Anfang und am Schluss. Dieses Prinzip wird anschließend ins „Kleinere“ übertragen, wenn man spezielle Fragestellungen hat oder gezielt nach Informationen suchen möchte. In jedem Abschnitt eines wissenschaftlichen Artikels sollte man daher beim Querlesen jeweils sowohl die ersten, als auch die letzten Sätze lesen, da sie die prägnant zusammengefassten Informationen beinhalten.

Erst, wenn man nach diesem Prinzip einen wissenschaftlichen Artikel quergelesen hat, lohnt es sich, die Zeit zu investieren, ihn vollständig zu lesen, da man so von vornherein abschätzen kann, welche Passagen von Interesse für die eigene wissenschaftliche Arbeit sind.

Merke:

  • Der Anfang und der Schluss enthalten jeweils die prägnant zusammengefassten Informationen!
  • Dabei vom „Größeren“ ins „Kleinere“ gehen, also zunächst den Anfang (Abstract) und den Schluss (Diskussion) des gesamten Papers lesen, danach dasselbe Prinzip in den Unterkapiteln bzw. Abschnitten anwenden!

Autor:innen

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Dieser Artikel wurde erstellt von:
F. Knauss, F. Heigl, L. Schad