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Erosionsschutz durch nachhaltige Landwirtschaft

478 Bytes entfernt, 14:51, 20. Nov. 2020
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Der '''Erosionsschutz durch nachhaltige Landwirtschaft''' umfasst verschiedene ökologische Maßnahmen gegen den durch Wind oder Wasser verursachten Bodenabtrag. Böden sind lebensnotwendige und nicht-erneuerbare, natürliche Ressourcen und stellen u.a. die eine Grundlage zur Erzeugung von Nahrungsmitteln dar. Doch die Die fortschreitende Bodendegradation durch Wind- und Wassererosion ist damit eine ernstzunehmende Gefahr für die Nahrungsmittelsicherheit. Da keine offizielle Definition von „nachhaltiger Landwirtschaft“ existiert, wird hier die Integration von Direktsaat und ökologischer Landwirtschaft als das boden- und umweltschonendste Anbausystem vorgeschlagen. Das Aufkommen von Unkräutern muss in einem solchen System z.B. durch Deckfrüchte, komplexe Fruchtfolgen und Allelopathien kontrolliert werden.Trotz des vorhandenen Interesses wird die Direktsaat in der ökologischen Landwirtschaft nicht konsequent angewandt. Zudem gibt es derzeit keine speziellen Netzwerke zum Erfahrungs- und Wissensaustausch, wenngleich die neuen Konzepte nachhaltiger Landwirtschaft wissensbasierter als die früheren sind. Bedarf besteht nicht nur in der Bereitstellung von Wissen sondern auch in seiner Erhebung. Zukünftige Langzeitstudien müssen konzeptionelle Ansätze „nachhaltiger Landwirtschaft“ in Feldversuchen testen und evaluieren. Dringender Forschungsbedarf besteht außerdem bei der Erhebung und Modellierung von Erosionsdaten auf Feldebene.
Da keine offizielle Definition von „nachhaltiger Landwirtschaft“ existiert, wird hier die Integration von Direktsaat und ökologischer Landwirtschaft als das boden- und umweltschonendste Anbausystem vorgeschlagen. Das Aufkommen von Unkräutern muss in einem solchen System z.B. durch Deckfrüchte, komplexe Fruchtfolgen und Allelopathien kontrolliert werden. ==Begriffe==
Bodenerosion bezeichnet „die Abtragung der Landoberfläche durch physikalische Kräfte wie Regen, fließendes Wasser, Wind, Eis, Temperaturwechsel, Schwerkraft oder andere natürliche oder anthropogene Ursachen, die Boden oder geologisches Material an einem Punkt der Erdoberfläche abreiben, ablösen oder entfernen, um es an anderer Stelle wieder abzulagern“.<ref>Soil Science Society of America (2019): Glossary of Soil Science Terms. URL: <nowiki>https://www.soils.org/publications/soils-glossary</nowiki> (Stand: 16.06.2019). </ref> In Europa wird die Erosion durch Wasser als die häufigste Erosionsform vermutet.<ref name=":0">Verheijen, F., Jones, R., Rickson, R., Smith, C. Smith (2009): Tolerable versus actual soil erosion rates in Europe. Accepted Manuscript. Earth-Science Reviews, 94, 23-38.</ref> Sie erfolgt durch Zwischenrillenerosion (engl. sheet erosion; gleichmäßiger, schichtförmiger Bodenabtrag), Rillenerosion (engl. rill erosion; Rillentiefe < 30 cm) und Rinnenerosion bzw. Gullyerosion (engl. gully erosion; Rinnentiefe > 30 cm), wenn infolge übermäßigen Oberflächenabflusses die Scherspannung des Abflusses die Scherfestigkeit des Bodens überschreitet. <ref name=":0" /><ref>Kirkby, M., Le Bissonais, Y., Coulthard, T., Daroussin, J., McMahon, M. (2000): The development of Land Quality Indicators for Soil Degradation by Water Erosion. Agriculture, Ecosystems and Environment, 81, 125-136.</ref><ref>Jones, R., Le Bissonnais, Y., Bazzoffi, P., Sanchez Diaz, J., Düwel, O., Loj, G., Øygarden, L., Prasuhn, V., Rydell, B., Strauss, P., Berenyi Uveges, J., Vandekerckhove, L., Yordanov, Y. (2004): Nature and Extent of Soil Erosion in Europe. In: Van-Camp, L., Bujarrabal, B., Gentile, A., Jones, R., Montanarella, L., Olazabal, C., Selvaradjou, S.: Reports of the Technical Working Groups established under the Thematic Strategy for Soil Protection. Volume II Erosion. Office for Official Publications of the European Communities, Luxembourg. n. pag.</ref>
==Auswirkung von Bodenerosion auf Ernteerträge==
Auch wenn der genaue Zusammenhang zwischen Bodenerosion und Bodenproduktivität schwer zu quantifizieren ist, kann der Einfluss der Bodenerosion auf den Ernteertrag nicht bestritten werden [9]. Die Reduzierung der Ernteerträge in Folge von Bodenerosion ist jedoch ein meist schleichender Prozess und so waren die Ertragszunahmen durch die sog. grüne Revolution in den meisten landwirtschaftlichen Systemen so signifikant, dass Erosionseffekte auf den Ernteertrag kaum zu spüren waren. Eine Referenzsituation unter Technologieinput, in der keine Bodenerosion stattfindet, würde dennoch zu höheren Ernteerträgen führen.<ref name=":1">Vanwalleghem T., Gómez, J., Infante Amate, J., González de Molina, M., Vanderlinden, K., Guzmán, G., Laguna, A., Giráldez, J. (2017): Impact of historical land use and soil management change on soil erosion and agricultural sustainability during the Anthropocene. Anthropocene, 17, 13-29.</ref>
 
==Aktuelle Bodenerosionsrate==
Verheijen et al. schlagen vor, natürliche Bodenbildungsraten als Grundlage für die Festlegung tolerierbarer Bodenerosionsraten heranzuziehen.<ref name=":1" /> Die geschätzte Bodenbildungsrate aus Verwitterung und Staubeinträgen liegt in weiten Teilen Europas bei ca. 0,3 – 1,4 t ha<sup>-1</sup> yr<sup>-1</sup>.<ref name=":1" /> In Europa sind die aktuellen Erosionsraten auf Ackerland im Durchschnitt 3 bis 40 mal höher als die tolerierbaren Abtragsraten.<ref name=":1" /> Wenn die gemessenen und geschätzten Wertebereiche der Bodenbildung und Bodenerosion den tatsächlichen Werten entsprechen und die aktuellen Bodenbearbeitungstechniken beibehalten werden, könnten viele ackerbaulich genutzte Böden, vor allem auf Hängen, innerhalb der nächsten hundert Jahre 2–30 cm dünner sein als heute. Für viele Oberböden in Europa würde dies zu erheblichen Verschlechterungen oder sogar zum Verlust von Bodenfunktionen führen.<ref name=":1" /> Etwa 33% der globalen landwirtschaftlichen Nutzfläche sind bereits degradiert. Dabei wird die Degradation zu mehr als 55% durch Wassererosion und zu fast 33% durch Winderosion verursacht.<ref>Food and Agriculture Organization of the United Nations & Intergovernmental Technical Panel on Soils (FAO & ITPS; 2015): Status of the World’s Soil Resources. Main report. Rome. </ref>
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