Altmühltal - Vom Korallenriff zum Klettergriff

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Prunner Wand – im Hintergrund rechts die Burg Prunn
Abb. 1: Prunner Wand – im Hintergrund rechts die Burg Prunn

1. Vom Korallenriff zum Klettergriff

Land-Meer-Verteilung im Jura
Abb. 2: Quelle geändert nach Landratsamt Kehlheim, https://www.voef.de/
Schloss Prunn von Süden aus gesehen
Abb. 3: Burg Prunn (mit Kletterfelsen Schlossfels, Autor = Qflieger, wikipedia)

Die Gegend um Prunn in der Nähe von Riedenburg ist auch heute noch ein Kleinod in der Landschaft. Vor ca. 150 Mio. Jahren wäre es wahrscheinlich eines der Highlights in der Tourismus-Branche gewesen - die Karibik von Bayern (vgl. Abb. 2) Zu dieser Zeit im Jura war der Großteil von Süddeutschland von einem warmen flachen Meer bedeckt. Die Küstenlinie zog sich damals entlang der Böhmischen Festlandmasse entlang, also etwa nordöstlich von Regensburg. Dieser Küste vorgelagert bildeten sich in den seichten Küstengewässern mächtige Korallenriffe mit einer Flora und Fauna, die wahrscheinlich am ehesten vergleichbar war mit dem Great Barrier Reef in Australien, nur mit zeitgemäßen Lebensformen. Bis heute erhalten geblieben sind die mächtigen Kalksteinfelsen (vgl. Abb. 1), die durch die Altmühl wieder freigelegt wurden. Ein besonders schönes Beispiel ist die Felszinne von Prunn mit dem ausgesetzt liegenden Schloss (vgl. Abb. 3)



2. Geographische Lage

Abb. 4: Prunn im Altmühltal


Prunn liegt Naturschutzgebiet bei Riedenburg im niederbayerischen Landkreis Kelheim in Bayern. Das Naturschutzgebiet befindet liegt ca. 5 km östlich von Riedenburg (vgl. Abb.4). Seinen Namen hat es nach dem Schloss Prunn, welches auf einem besonders dominierenden Kalksteinfelsen hoch über der Altmühl hat. Das Gebiet ist Bestandteil des Naturpark Altmühltal, des Landschaftsschutzgebietes Schutzzone im Naturpark Altmühltal, des Fauna-Flora-Habitat-Gebiets Trockenhänge im unteren Altmühltal mit Laaberleiten und Galgental und des EU-Vogelschutzgebietes-Gebiets Felsen und Hangwälder im Altmühl-, Naab-, Laber- und Donautal. Das Naturschutzgebiet umfasst etwa 77 ha und ist ein weitgehend waldfreier Extremstandort. Dieses Areal und die gegenüberliegende Talseite mit dem Naturschutzgebiet Klamm und Kastlhäng stehen vollständig unter Schutz. Seit Jahrtausenden ist der Fels ein Rückzugsgebiet für konkurrenzschwache und trockenheitsertragende Pflanzen. Dort findet man seltene und schützenswerte Pflanzengemeinschaften, wie etwa den Steppenheidewald und dem Trockenrasen. Ein Habitat für viele Insekten und Pflanzen, die einen besonderen Schutz verdienen, da sie sich nach einer Schädigung kaum mehr erholen. Hier findet man z. B. die Weiße Fetthenne, Graukresse und Feldgrille. (Bundesamt für Naturschutz).

3. Geologischer Überblick

Abb. 5: Geographischer und geologischer Überblick, Quelle geändert nach Erläuterungen zur Geologische Karte des Naturparks Altmühltal


Grundlage für diesen Bericht ist die geologische Karte des Naturparks Altmühltal/Südliche Frankenalb (vgl. Abb.5). Das Blatt zeigt einen Ausschnitt aus dem langgestreckten Höhenzug der Schwäbisch-Fränkischen Alb, hauptsächlich aufgebaut von den Schichtenfolgen des Jura. Westlich begrenzt wird das Gebiet durch die Auswurfmassen des Ries Meteoriten-Kraters. Im Osten die Überdeckungen der Regensburger Kreide. Im Nordwesten findet man die den Jura unterlagernden Keuper-Schichten, die hier an die Oberfläche kommen. Im Süden tauchen aber die Schichten der Jura rasch unter mächtigen Tertiärablagerungen ab. Der Jura der Südalb bildet grob gesehen eine schräggestellte Gesteinsplatte, die in Richtung von Nordosten nach Südosten einfällt.(vgl. Abb. 6) Das Gebiet gliedert sich morphologisch in verschieden Einheiten. Über den flachwelligen Keuperhügeln im Nordwesten folgt langsam ansteigend das Lias- und Dogger-Albvorland. Darüber ist im unteren Malm ein steiler Anstieg - der Albtrauf - ausgebildet, an den sich nach Süden und Südosten die altangelegte Albhochfläche anschließt. Sie wird durch die Altmühl und ihre Nebenflüsse vielfach zerschnitten und senkt sich allmählich zur breiten Donauniederung ab (swisstopo, 1979).

Im oberen Jura (Malm oder Weißjura, 160 – 140 Mio Jahren) wird das Vindelizische Land und weite Randteile des Böhmischen Massivs durch die Transgressions des Meeres überflutet und das flachere fränkische Schelfmeer erhält eine Verbindung zu dem tieferen alpinen Mittelmeer, der Tethys. Die Fränkische Fazies des Malms zeichnet sich durch helle Bankkalke und Mergel aus, die in dem Schelfmeer mit seiner guten Durchlüftung abgelagert werden.

Gegen Ende der Jura wird dann das Meer wieder in den Voralpenraum zurückgedrängt. Die wichtigste Abteilung im Jura nimmt der Malm der südlichen Frankenalb mit Mächtigkeiten zwischen 400 – 500 m ein. Er besteht hauptsächlich aus harten Kalken und beherrscht so mit markanten Landschaftsformen die Alb. So wird der steil aufragende Albtrauf im Norden hauptsächlich durch das dicke Kalkpacket des Malm verursacht. Die oft zu senkrechten Felstürmen und -wänden herauspräparierten Riffgesteine (besonders im Altmühltal und in der Weltenburger Enge) prägen die heutige Juralandschaft .

Abb. 6: Profilschnitt: Germanisches Triasbecken - Frankenalb - Voralpine Molassesenke


4. Die Riff- oder Bioherrn-Fazies.

Diese baut sich hauptsächlich nach ihrem Tod verkalkenden Kieselschwämmen und selbst kalkbindenden Blaugrünalgenkrusten auf. Da diese der Schichtfazies vorauswachsen kommt es von der Bildung von Kleinstotzen bis zum Bau von großen Kuppelriffen mit Durchmessern von bis zu 500 m. Diese überragen dann ihre Umgebung noch um bis zu 50-80 m. Noch steilere Riffbauten werden dann im höheren Malm durch Korallen und Hydrozoen als Riffbildner gebildet. So bildet dann auch das Korallenriff mit seiner gegliederten Oberfläche (Höhlen, Überhänge, Riffschuttsäume) den Lebensraum für eine vielfältige Fauna (Brachiopoden, Muscheln, Schnecken, Seeigel, Seesterne, Bryozoen, Serpeln u. a. m.).

Eine detaillierte Aufstellung zur Entstehung kann in den Erläuterungen zur Geologische Karte des Naturparks Altmühltal Südliche Frankenalb nachgelesen werden:

https://www.bestellen.bayern.de/application/applstarter?APPL=eshop&DIR=eshop&ACTIONxSETVAL(artdtl_geo.htm,APGxNODENR:102038,AARTxNR:31012,AARTxNODENR:257497,USERxBODYURL:artdtl.htm,KATALOG:StMUG,AKATxNAME:StMUG,ALLE:x)=X

Ebenfalls empfehlenswert ist der Sonderband Erdgeschichte sichtbar gemacht - Ein geologischer Führer durch die Altmühlalb:

https://www.bestellen.bayern.de/application/eshop_app000001?SID=2004351286&ACTIONxSETVAL(artdtl_geo.htm,AARTxNODENR:277663,USERxBACKNR=257333)=Z

5. Geotop Prunn

Östlich von Prunn erheben sich die zunächst die über 20 m hohen glatten, grauen Felswände der Malm-Delta-Riffkalke. Diese liegen auf einem meist von Hangschutt verhüllten Sockel aus Hornsteinführenden Dickbankkalken. Hier findet man Brachiopoden und Echinodermen. Makroskopisch erkennt man zwar hier keine Riffbildner, aber auf der gegenüberliegenden Seite am Altmühltalhang (an der Buchleite) findet man klar erkennbare Kieselschwämme. Aufgebaut sind diese Riffkalke hauptsächlich von z.T. stromatolithischen Algenkrusten. Ab einer Höhe von 410 m NN werden dann die senkrechten Felswände von einem gestuften Felshang aus hellbräunlichen, glatten Riffkalken abgelöst. Diese dürfte die Grenze zu Malm Epsilon einleiten. Hier findet man dann auch öfter Versteinerungen von Crinoiden und anderen Echinodermenresten, sowie feinerer Fossilschutt.

Im Dünnschliff erkennt man Großooidlagen die immer wieder von Stromatolithen überwachsen sind. Diese deutet auf eine Entstehung im bewegten Flachwasser hin. Westlich von der Burg Prunn findet man auch zum Teil Rasenkorallen und ästige Korallen.

Im Aschluss eine kleine Bildergalerie vom Prunner Riff

6. Klettergebiet Prunn

Übersicht der Kletterfelsen in Prunn, Quelle: http://www.das-altmuehltal.de/riedenburg/sport/klettern-prunn.htm


Das Klettergebiet Prunn teilt sich in 6 (bzw. 8) Sektionen auf (Prunner Turm, Prunner Wand, Mühltor, Felskirchl, Triangelturm und die Steinerne Stadt. Im Anschluss folgt dann Friedrichsruh und der Schlossfelsen.

Für Kletterer zählt der Naturpark Altmühltal seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten Klettergebieten in Deutschland. Hier bieten sich fast ganzjährig gute bis optimale Bedingungen. Man findet hier senkrecht aufragende Felswände, Überhänge, Risse, winzige Vorsprünge, alles was das Kletterherz begehrt. Die Routen liegen im Schwierigkeitsgrad von 3 - 10. In Essing wurde in den 80er Jahren mit „The Face“ die erste 10er Route begangen. Klettern hat in der Region schon eine lange Tradition, die ersten Routen wurden schon um die Jahrhundertwende begangen.

Ausführliche Routenbeschreibungen zum Altmühltal, bzw. zu Prunn findet man im Internet unter: https://www.munichclimbs.de/Klettergebiet/Altmuehltal

Referenzen

Autor:innen

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Dieser Artikel wurde geschrieben und gegengelesen von:
Wolfgang Stoiber
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