Moorböden

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Weltweit bedecken Moorgebiete rund 3% der Erdoberfläche, dies entspricht etwa 4 Millionen km2. Die Entstehung von Moorböden ist dabei nicht auf eine Klimazone beschränkt. Die flächenmäßig größten Moorgebiete liegen in Russland (1,3 Millionen km2), Kanada (1,1 Millionen km2) und Indonesien (266.000 km2).[1][2][3][4] Die Intensität der Torfbildung variiert unter anderem je nach klimatischen Verhältnissen. So findet in borealen Gebieten mit hohen Niederschlagmengen meist eine stärkere Torfbildung statt als in ariden Klimaten.[4] Die typischen Nutzungsmuster von Mooren wirken sich weltweit, negativ auf die natürlichen ökologischen Funktionen von Moorböden aus und führen zu einem flächenhaften Rückgang. Um einer solchen Degradierung entgegenzuwirken, existieren verschiedene Techniken und Handlungsmöglichkeiten.

Eigenschaften und Klassifikation

Die Deutsche Bodensystematik definiert die eigenständige Abteilung "Moor" als Boden mit einer insgesamt mindestens 30 cm mächtigen Torfschicht. Der Anteil an organischer Masse muss in der Torfschicht außerdem 30% oder mehr betragen. Moore entstehen, wenn eine ständige Wassersättigung des Bodens gegeben ist. Abgestorbenes Pflanzenmaterial kann aufgrund der sauerstoffarmen Verhältnisse im Untergrund nicht vollständig abgebaut werden. Auf diese Weise akkumuliert sich organisches Material als Torfauflage.[5] Wird ein Moorgebiet trockengelegt, so ändern sich auch die Wasser- und Sauerstoffverhältnisse im Boden und damit die Prozesse der Bodenbildung. In der Folge kann es zur Oxidierung organischen Materials kommen. Die vormals nicht vollständig abgebauten Pflanzenreste werden demnach humifiziert und anschließend mineralisiert.[5][6]

Die Deutsche Bodensystematik unterscheidet zwischen zwei Klassen: den naturnahen Mooren sowie den Erd- und Mulmmooren. Die Bodenklasse der naturnahen Moore fasst die Bodentypen Hoch- und Niedermoor zusammen. Niedermoore erhalten ihre Wassersättigung durch Grundwasser, auch Überflutungswasser kann zeitweise zur Vernässung führen. Der pH-Gehalt liegt hier aufgrund des Mineralgehalts des prägenden Wassers meist höher als beim Hochmoor. Das Hochmoor wird von Niederschlag gespeist. Dadurch kommt es zu einem niedrigeren pH-Wert sowie einer geringeren Nährstoffverfügbarkeit des Bodens.[6] Hochmoore können bei ausreichendem Wachstum die Form einer Kuppe annehmen.[1] Die Bodenklasse der Erd- und Mulmmoore beinhaltet die drei Bodentypen des Erdniedermoors, des Erdmulmmoors sowie des Erdhochmoors. Diese Moore sind entwässert worden. Die Böden besitzen demnach Eigenschaften ihres jeweiligen Ausgangsmoores sowie den im Anschluss an die Trockenlegung einsetzenden Weiterentwicklung des Bodens.[6]

Ökosystemare Funktionen

Moorgebiete erfüllen seit jeher, ob durch den Menschen genutzt oder aufgrund ihrer natürlichen Beschaffenheit, verschiedene Funktionen. Diese können den vier Kategorien der bereitstellenden, unterstützenden, regulierenden und kulturellen ökosystemaren Dienstleistungen zugeordnet werden. Moore speichern diese rund 30 % des terrestrischen Kohlenstoffs, also etwa 550 Gt. Der Kohlenstoff wird sowohl in der Vegetation als auch in der Torfschicht gespeichert. Jährlich werden so zwischen 150 und 250 Tonnen CO2 gebunden. Teilweise stellen Moore einen effizienteren Kohlenstoffspeicher als Wälder oder andere Ökosysteme in den entsprechenden Regionen dar.[1][7]

Moore können Niederschläge in großem Umfang über einen langen Zeitraum hinweg speichern. Die natürlichen Puffer wirken gleichzeitig durch Verdunstung ausgleichend auf das Mesoklima.[1][8] Moorgebiete haben zudem eine filternde Wirkung auf das Wasser, welches im Boden gespeichert wird beziehungsweise diesen durchströmt. Dies geschieht im Rahmen der Denitrifikation; hier wird Nitrit zu N2 sowie Stickoxiden umgewandelt. Phosphor reichert sich über Sedimentation an.[1][8]

Die typische Flora und Fauna von Moorgebieten ist meist an die spezifischen Bedingungen der Ökysysteme angepasst.[1] Die anzutreffenden Pflanzen unterscheiden sich dabei je nach vorliegendem Moortyp. Auf Seiten der Fauna gehören neben Weichtieren, Insekten und Amphibien auch Vögel zu den Bewohnern der Moore. In den Mooren der Nordhemisphäre ist hierbei eine große Diversität vorzufinden.[9][10]

Moorböden stellen sie ein Archiv der Natur- und Kulturgeschichte dar. So können beispielsweise aus der chemischen Zusammensetzung der Torfschicht Rückschlüsse auf die vorherrschenden klimatischen Verhältnisse vergangener Zeiten gezogen werden. Moore sind auch als Ort Erholung sowie der Bildung von Interesse.[7][8]

Nutzung

Oftmals stellen Moore einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor für die umliegenden Regionen dar. Die Nutzung dieser natürlichen Ressource erfordert in den meisten Fällen die künstliche Trockenlegung der betroffenen Gebiete. In Europa gewann Torf seit dem 12. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung als Brennstoff für den häuslichen Gebrauch. Ab dem 17. Jahrhundert fand er zudem vermehrt Verwendung in der Industrie. Angesichts Umweltschutzbedenken nimmt er heute jedoch eine untergeordnete Rolle in der Energieerzeugung ein.[2][11] Im Gegensatz dazu steigt die Nutzung von Torf als Dünger und Bodensubstrat. Der Naturstoff findet besonders in der industriellen Landwirtschaft Einsatz. Hierfür werden große Mengen in Kanada sowie im Baltikum abgebaut; aus dieser Region stammen jährlich rund 2,5 Millionen Tonnen Torf.[1][11]

Die Nutzung von Moorgebieten als landwirtschaftliche Flächen hat lange Tradition. Da Moore nur schwer zu bewirtschaften sind, ist meist die Trockenlegung notwendig. In Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte und Siedlungsdruck werden Moorflächen oft als Bauland genutzt, auch dies erfordert die Drainage des Gebiets. Besonders die Moore Südostasiens und Europas sind aus diesen Gründen anthropogen geprägt.[8][12]

Gefährdung

Durch den Eingriff des Menschen in die natürlichen hydrologischen Verhältnisse von Moorgebieten kommt es weltweit zum Rückgang sowie zur Zerstörung von Moorflächen. Dadurch ergeben sich unterschiedliche Folgen für die Umwelt. Wird in den natürlichen Wasserhaushalt eines Moores eingegriffen können diese zu einem signifikanten Emittenten verschiedener klimawirksamer Gase wie N2O, CO2 oder CH4 werden. Durch die Entwässerung kommt es etwa zur vermehrten Freisetzung von CO2 durch das Einsetzen von Humifizierung und Mineralisierung der organischen Bodenanteile.[12] Die Drainage beziehungsweise die Austrocknung eines Moorgebiets schränkt ebenso die natürlichen Funktionen eines Moorgebeits hinsichtlich seiner Wasserspeicherkapazität ein. Im Anschluss an Entwässerungsmaßnahmen können negative Folgen in Form extremer Wetterereignisse auftreten. Durch die Veränderung der hydrologischen Verhältnisse im Moorboden kommt es auch im Fall der Nährstofffilterung und -rückhaltung zu einem Rückgang der Funktionalität von Moorböden.[8][12]

Durch die Trockenlegung von stark torfhaltigen Böden steigt das Risiko von Moorbränden an, die mehrere Monate andauern können. Neben der Freisetzung von CO2 kommt es durch solche Brandereignisse zum Eintrag großer Feinstaubmengen in die Atmosphäre. So führten beispielsweise Moorbrände im Jahr 2015 in Indonesien zur Emission von bis zu 1,75 Gt CO2. Angesichts des voranschreitenden Klimawandels wird in Zukunft mit einer steigenden Wahrscheinlichkeit von Moorbränden gerechnet.[1][3]

Die für Moorgebiete typische Flora und Fauna sind auf die Ökosysteme angewiesen. Somit kann es durch Eingriffe zur Zerstörung des Habitats kommen, in der Folge sind die Arten zur Abwanderung gezwungen. Da diese außerhalb von Mooren wenig konkurrenzfähig sind, kann es zum Aussterben der Spezies kommen. Viele der Arten gelten bereits als selten oder bedroht.[1][10]

Durch den Klimawandel kommt es zu einem Anstieg der Durchschnittstemperatur und zu höheren Raten der Evapotranspiration. Dies hat auch Einfluss auf Moorböden, die austrocknen können. In der Folge wird das Moor zum Emittenten von Treibhausgasen. Auch veränderte Niederschlagsmuster können Auslöser dieser Problematik sein.[13] Unter Umständen ergeben sich so auch positive Feedbacks zwischen Moordegradierung und Klimawandel.[12][14]

Handlungsmöglichkeiten

Um die negativen, langfristigen Folgen der exzessiven Bewirtschaftung und damit einhergehenden Zerstörung von Moorflächen zu vermeiden, gibt es verschiedene Ansätze.

Wiedervernässung

Durch die Erhöhung der Wassersättigung des Bodens soll eine Wiederherstellung der natürlichen Funktionalität der Moore erreicht werden. Die nötigen Maßnahmen und der Erfolg sind abhängig vom Zustand des Moores. Durch eine Vernässung von Mooren könnte eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 4 bis 15,5 t CO2-Äquivalente je Hektar pro Jahr möglich sein; auf diese Weise könnte ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Allerdings ist durch die Wiedervernässung nur eine teilweise Rückkehr zum natürlichen Gashaushalt möglich.[15] Durch die Einstellung von Drainagemaßnahmen kann ein Moor ebenfalls seine Rolle im Wasserhaushalt wiederaufnehmen. Dadurch wird zum einen die Qualität des Grundwassers gesichert, zum anderen wird der natürliche Schutz vor hydrologischen Extremereignissen gestärkt.[8]

Extensive Nutzung

Auch die extensive Nutzung von Moorgebieten bietet die Möglichkeit, negative Auswirkungen zu vermeiden. Hierbei ist die Regulierung des Wasserstandes von großer Bedeutung. Zwar kann der Ausstoß klimawirksamer reduziert werden, allerdings nicht im gleichen Umfang wie bei vollständiger Wiedervernässung. Eine Möglichkeit der extensiven Bewirtschaftung stellt die Grünlandnutzung dar. Diese Form der Nutzung hat zusätzlich einen positiven Effekt auf die Biodiversität vor Ort.[8] Bei der sogenannten Paludikultur wird auf nassen Moorflächen extensive Land- und Forstwirtschaft betrieben. Auch durch diese Form der Bewirtschaftung können Emissionen reduziert werden.

Referenzen

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 1,8 Bundesamt für Naturschutz (o.J.a): Moore - Entstehung, Zustand, Biodiversität. URL: https://www.bfn.de/themen/biotop-und-landschaftsschutz/moorschutz/moore-entstehung-zustand-biodiversitaet.html (Stand: 17.05.2019).
  2. 2,0 2,1 UNEP (2020): Global Distribution of Peatlands. GRID-Arendal. URL:https://www.grida.no/resources/12546 (Stand: 09.08.2020)
  3. 3,0 3,1 Crump, J. (Hrsg.) (2017): Smoke on Water – Countering Global Threats From Peatland Loss and Degradation. A UNEP Rapid Response Assessment. United Nations Environment Programme und GRID-Arendal, 6-39.
  4. 4,0 4,1 Succow, M., Jeschke, L. (1986): Moore in der Landschaft – Entstehung, Haushalt, Lebewelt, Verbreitung, Nutzung und Erhaltung der Moore. 1. Auflage, Leipzig, Urania.
  5. 5,0 5,1 Amelung, W., Blume, H.-P., Fleige, H., Horn, R., Kandeler, E., Kögel-Knabner, I., Kretzschmar, R., Stahr, K., Wilke, B.-M. (2018): Scheffer/Schachtschabel Lehrbuch der Bodenkunde, 17. Auflage, Springer Spektrum, Heidelberg.
  6. 6,0 6,1 6,2 Ad-hoc-Arbeitsgruppe Boden (2005): Bodenkundliche Kartieranleitung, Hrsg.: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Geologischen Diensten, 5. Aufl., Stuttgart.
  7. 7,0 7,1 Parish, F., Sirin, A., Charman, D., Joosten, H., Minayeva, T., Silvius, M., Stringer, L. (Hrsg.; 2008): Assessment on Peatlands, Biodiversity and Climate Change: Main Report. Global Environment Centre, Kuala Lumpur and Wetlands International, Wageningen.
  8. 8,0 8,1 8,2 8,3 8,4 8,5 8,6 Trepel, M. (2013): Moorböden – ein nasser Schatz mit großer Bedeutung. Geographische Rundschau 65 (4): 36-42.
  9. Rydin, H., Jeglum, J.K. (2006): The Biology of Peatlands. 1. Auflage, Oxford University Press.
  10. 10,0 10,1 Rydin, H., Jeglum, J.K. (2013): Peatlands and Climate Change. 2. Auflage, Oxford University Press.
  11. 11,0 11,1 Peat Moss Associations in Canada (o.J.): History of Peat. URL: http://peatmoss.com/what-is-peat-moss/the-history-of-peat/ (Stand: 16.05.2019).
  12. 12,0 12,1 12,2 12,3 Bundesamt für Naturschutz (o.J.b): Moorschutz. URL: https://www.bfn.de/themen/biotop-und-landschaftsschutz/moorschutz.html (Stand: 10.04.2019).
  13. Settele, J., Scholes, R., Betts, R., Bunn, S., Leadley, P., Nepstad, D., Overpeck, J.T., Taboada, M.A. (2014): Terrestrial and inland water systems. In: Climate Change 2014: Impacts, Adaptation, and Vulnerability. Part A: Global and Sectoral Aspects. Contribution of Working Group II to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change [Field, C.B., Barros, V.R., Dokken, D.J., Mach, K.J., Mastrandrea, M.D., Bilir, T.E., Chatterjee, M., Ebi, K.L., Estrada, Y.O., Genova, R.C., Girma, B., Kissel, E.S., Levy, A.N., MacCracken, S., Mastrandrea, P.R., White, L.L. (Hrsg.)]. Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom and New York, NY, USA, pp. 271-359.
  14. Frolking, S., Talbot, J., Jones, M. C., Treat, C. C., Kauffman, J. B., Tuittila, E.-S., Roulet, N. (2011): Peatlands in the Earth's 21 Century Climate. In: Canadian Science Publishing (Hrsg.): Environmental Reviews. Vol. 11, 371-396.
  15. Drösler, M. (2008): Was haben Moore mit dem Klima zu tun? In: Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (Hrsg.): Laufener Spezialbeiträge 2/09, 60-70.

Weiterführende Informationen und Literatur

Autor:innen

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Dieser Artikel wurde erstellt von:
Magdalena Schmid, Philipp Maly