Grundlagen der Konoskopie

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Bei der Konoskopie wird nicht das reelle Zwischenbild, sondern die Brennebene des Objektivs abgebildet. Je nach Schnittlage und optischem Charakter eines Minerals resultiert daraus ein charakteristisches Interferenzbild, welches durch Einklappen der Amici-Bertrand-Linse in den Strahlengang vergrößert betrachtet werden kann. Die Form der Indikatrix ist dabei maßgebend, ob die Abbildung eines Konoskopbildes überhaupt möglich ist. Weitere Erläuterungen um den Begriff der Indikatrix und zur Ausbreitung von Licht innerhalb von Kristallen gibt es in einem weiteren Artikel im Tutorium Polarisationsmikroskopie.

Erste Schritte

Konoskopbild eines optisch einachsigen Minerals, erstellt von K. Maetschke, 2020
Konoskopbilder eines optisch zweiachsigen Minerals, erstellt von K. Maetschke, 2020


Um ein geeignetes Konoskopbild zu erhalten, muss zunächst ein Korn des gewünschten Minerals mit möglichst niedriger Interferenzfarbe (Einklappen des Analysators!) ausgewählt und in der Mitte des Fadenkreuzes positioniert werden. Die Interferenzfarbe des ausgewählten Korns sollte schwarz oder höchstens dunkelgrau sein (zur Überprüfung Tisch drehen!). Der Kondensor muss für die Konoskopie ganz nach oben gefahren sein, jedoch so, dass sich der Dünnschliff ungestört drehen lässt. Anschließend muss das Mineralkorn auf stärkste (63-fach bei den Übungsmikroskopen) Vergrößerung fokussiert werden, wobei darauf zu achten ist, dass das Korn bei stärkster Vergrößerung weitestgehend das gesamte Sichtfeld einnimmt. Nun wird zusätzlich zum bereits eingeklappten Analysator die Amici-Bertrand-Linse in den Strahlengang eingeführt.

Beachte: Ein Konoskopbild kann nur von optisch anisotropen Mineralen abgebildet werden, also weder von kubischen Mineralen noch amorphen Substanzen!
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Aufbau eines Konoskopbildes


Unabhängig von der Anzahl optischer Achsen ist ein Interferenzbild eines Minerals aus drei wesentlichen Teilen aufgebaut:

  • Melatop(e): diese sind die Ausstichpunkte der optischen Achsen. Bei optisch einachsigen Mineralen entspricht dies dem Mittelpunkt des Isogyrenkreuzes. Je nachdem ob ein Mineral optisch ein- oder zweiachsig ist, sind im Interferenzbild entsprechend 1 oder 2 Melatope zu sehen.


  • Isogyren: diese "schwarzen Balken" repräsentieren die Orte in Auslöschstellung. Ihre Ausprägung und Position im Sichtfeld ist stark abhängig von der Gestalt der Indikatrix (optisch ein- oder zweiachsige Minerale) und der Schnittlage. Vom Melatop ausgehend, werden die Isogyren zunehmend dicker.


  • Isochromaten: diese "farbigen Linien" sind Kurven mit gleicher Interferenzfarbe. Auf solch einer Kurve herrscht also stets derselbe Gangunterschied. Die Anzahl der sichtbaren Isochromaten im Konoskopbild ist stark abhängig von der Doppelbrechung des Minerals. Mit der Zunahme der Doppelbrechung erhöht sich auch die Anzahl der sichtbaren Isochromaten, wie z.B. bei Calcit im Vergleich zu Quarz


Trotz des gleichen schematischen Aufbaus unterscheiden sich Interferenzbilder von optisch ein- und zweiachsigen Mineralen meist deutlich in ihrer Erscheinung. Ausführlichere Erläuterungen zur Konoskopie von optisch einachsigen Mineralen und von optisch zweiachsigen Mineralen sowie eine schematische Übersicht der Vorgehensweise bei der Konoskopie gibt es auf weiteren Seiten hier im GEOWiki@LMU Tutorium zur Polarisationsmikroskopie.

Literatur

  • Tröger, W.E. (1982): Tabellen zur optischen Bestimmung der gesteinsbildenden Minerale. Schweizerbart´sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart
  • Raith, M.M., Raase, P., Reinhardt, J. (2011): Leitfaden zur Dünnschliffmikroskopie


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Dieser Artikel wurde erstellt von:
C. Poetsch, L. Seybold