Quartär

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Das Quartär ist das letzte und kürzeste der drei Zeitalter der Erdneuzeit (Känozoikum). Es begann vor 2,588 Millionen Jahren mit dem Ende des Pliozäns und dauert bis heute an.

Die Untergrenze des Quartärs markiert das Aussterben von Discoaster pentaradiatus und Discoaster surculus, zwei Vertreter des kalkigen Nanoplanktons. Bis jetzt hat das Quartär noch nicht geendet, eine Obergrenze bleibt also abzuwarten.

Unterteilung

Das Quartär teilt sich in zwei Serien, das Pleistozän und das Holozän. In Fachkreisen wird derzeit noch diskutiert, ob und wenn ja für welchen Zeitraum der Begriff „Anthropozän“ noch hinzugefügt werden sollte, Stand 2021 ist dies aber noch nicht offiziell. Trotz ihrer vergleichsweise kurzen Dauer teilen sich das Pleistozän in vier und das Holozän in drei Stufen. Das Pleistozän umfasst Gelasium, Calabrium, Ionium und Tarantium, das Holozän umfasst Grönlandium, Northgrippium und Meghalayum. Die Zeiteinteilung nach der Entwicklung der menschlichen Kultur beginnt zeitgleich mit dem Ionium mit der Altsteinzeit.

Wichtige Ereignisse:

  • Pleistozäner Kaltzeitenwechsel
  • Neolithische Revolution
  • Menschheitsgeschichte


Namensherkunft

Der Name Quartär leitet sich von den altitalienischen Bezeichnungen für Gesteinsarten ab. 1759 bezeichnete der italienische Geologe Giovanni Arduino drei verschiedene Gesteinsarten: „Montes primari“ (=Erste (Sorte) Berge), eine Bezeichnung für vulkanische, plutonische und metamorphe Gesteine, „Montes secundii“ (=Zweite Berge), eine Bezeichnung für verfestigte Sedimentgesteine wie Kalk- oder Sandstein, und „Montes tertiarii“ (=Dritte Berge), was jüngere, unverfestigte Sedimente beschrieb. Etwa 70 Jahre nach Arduino beobachtete der französische Geologe Jules Desnoyers, dass die Schotter am Rand und am Grund der Seine deutlich jünger waren als das, was von Arduino als tertiäre Berge bezeichnet wurde. Desnoyers wählte für dieses Gestein die Bezeichnung Quartär (=das Vierte), in Anlehnung an Arduinos Aufzählung.

Fundstellen

Das Quartär ist in Süddeutschland fast überall aufgeschlossen. Jede Form von Schlamm, Sand, Erde, Erosionsmasse oder vulkanischem Material, das sich heutzutage irgendwo ablagert ist quartäres Gestein. Die meisten Ablagerungen von Lockergestein, von Schottern, wie zum Beispiel in der Münchner Schotterebene, entstammen dem Quartär. Jede oberflächliche Ablagerung, jede Schicht rezenter Boden entstammt dem Quartär. Die älteren Ablagerungen des Quartärs, z. B. aus den Eiszeiten, finden sich zum Beispiel entlang des Isartals, des Lechtals oder des Illertals nördlich des aufgerichteten Südrands der Vorlandmolasse.

Global wichtige Fundstellen für Fossilien des Quartärs wären zum Beispiel die sogenannte “Wiege der Menschheit” in Südafrika, die Djebel Irhoud in Marokko, die Glenns Ferry Formation in Idaho, USA und das Neandertal in Nordrhein-Westfalen.

Global wichtige Fundstellen für die frühe Entwicklung der menschlichen Kultur sind die Höhlen La Grotte Chauvet und Lascaux in Südfrankreich, in denen die ältesten Felsmalereien der Welt gefunden wurden, so wie der Hohle Fels bei Blaubeuren, Baden-Württemberg, wo die älteste menschengemachte Statuette gefunden wurde, eine 40.000 Jahre alte Frauendarstellung (Venus vom Hohle Fels).

Geologie

Plattentektonik

Mit Ausnahme letzter Veränderungen im niedrigen dreistelligen Kilometerbereich sah die Erde am Beginn des Quartärs bereits genauso aus wie heute. Derzeit finden Subduktionen an beiden Seiten des Pazifiks statt, während der Atlantik sich nach wie vor weitet. Dadurch wachsen an der Westküste von Nord- und Südamerika und an der Ostküste Asiens die Gebirge (Anden, Rocky Mountains, der Isthmus von Japan, Kamtschatka, usw.) weiter an. Afrika, und Indien schieben sich durch die noch aktive Ozeanspreizung im Südpolarmeernoch nach wie vor nordwärts, die Gebirge an ihrer Nordseite (Alpen, Zagros, Himalaya) sind also noch immer im Wachstum begriffen. Das Uralgebirge, das norwegische Fjordland, die schottischen Highlands und die Appalachen an der amerikanischen Ostküste sind Relikte früherer Gebirgsbildungen. Daher wachsen sie nicht mehr, sondern werden von der Erosion langsam abgetragen.

Sedimente

Die Sedimente des Quartärs bestehen im marinen Milieu vor allem aus Korallen- und Planktonkalk, welcher aufgrund seines jungen Alters noch weitestgehend unverfestigt und teilweise noch lebendig ist. Verschiedene Mikroorganismen tragen zur Ansammlung von kalkigen und silikatischen Skelettmineralien in der Tiefsee bei, darunter Foraminiferen, Diatomeen und Radiolarien. Die häufigste Ablagerung in den subtropischen Tiefseebereichen ist der Rote Tiefseeton. Im terrestrischen Milieu lagerten sich während des Quartärs vor allem Sande und Tone ab, Hauptbestandteile eines rezenten Bodens, die durch die langsame Erosion größerer Gesteine entstehen. Gleichzeitig sorgen schnellfließende Flüsse, die in den Gebirgen der Welt entspringen für eine deutlich stärkere und gröbere Erosion entlang ihres Oberlaufs. Dadurch lösen sie größere Fragmente aus dem Untergrund, transportieren und runden diese ab und lagern sie als Schotter in und entlang ihres Flusslaufs ab. Mit der Zeit kann sich dieser Schotter zu einem Konglomerat verfestigen. Vor allem im Zusammenhang mit dem Wachstum und Abtauen der Gletscher während des ständigen Wechsels aus Eis- und Warmzeiten (Glaziale und Interglaziale) wurde so große Mengen an Festgestein abgetragen und zu Konglomerat verdichtet.

Eine weitere Bodenform aus dem Quartär ist der Löss, lokal auch Lösslehm. Bei ihm handelt es sich um einen sehr fruchtbaren, lockeren Boden aus meist kalzitischem Schluff. Er entstand durch die Frostverwitterung von Gesteinen im direkten Umfeld der eiszeitlichen Gletscher und wurde, nach deren Abtauen, vom Wind aufgegriffen und über längere Strecken äolisch transportiert. Daher findet man Löss nur selten horizontal abgelagert, sondern meist an Hindernissen, die dem Wind entgegenstanden, z. B. der Rand einer Kuhle, eine Felswand, etc.

Klima

Das Klima im Quartär ist ausgesprochen wechselhaft. Mit Ende des Pliozäns wurde die Erde zunehmend milankovic-sensitiv, sprich in sogenannten Milankovic-Zyklen von etwa 100.000 bis 200.000 Jahren durchlief die Erde immer zunächst eine lange Kälteperiode, ein sogenanntes Glazial, gefolgt von einer kürzeren Wärmeperiode, einem Interglazial. Verschiedene Faktoren spielen in die Intensität dieser Zyklen hinein, unter anderem die Neigungsänderung (=Obliquität) der Erdachse, die wechselnde Entfernung der Erde zur Sonne, und die Änderung der Ellipsenform der Erdumlaufbahn (=Präzession). Sie alle können die Temperatur auf der Erde geringfügig verändern.

Die Erde wurde durch eine Abkühlung am Ende des Pliozäns milankovic-sensitiv, denn nun war es kalt genug, dass unsere Ozeane das Treibhausgas CO2 fixieren konnten. Wurde CO2 also durch Regen aus der Atmosphäre ausgewaschen, so verblieb es im Ozean, statt wieder sofort gelöst zu werden. Allerdings konnte schon eine geringe Erwärmung der Erde durch das Zusammenspiel mehrerer Milankovic-Faktoren dazu führen, dass die Ozeane ihr gespeichertes CO2 freisetzten, was den Treibhauseffekt der Atmosphäre verstärkte, wodurch sich die Erde weiter erwärmte und die Ozeane noch mehr CO2 freisetzten. Begann diese Kettenreaktion einmal, erwärmte sich die Erde binnen weniger tausend Jahre um bis zu 5°C, und ein Interglazial begann.

Meist dauern diese Interglaziale jedoch nur für etwa 10.000 bis 20.000 Jahre an. Danach führt die CO2-Auswaschung durch Regen wieder zu einer Abkühlung und ein Glazial setzt ein.

Derzeit befindet sich die Erde in einem Interglazial, vor ca. 11.000 Jahren endete die Würm-Eiszeit mit einem Temperaturanstieg von ca. 6° Celsius auf unser heutiges Temperaturniveau. Da durch den Eingriff des Menschen in Klima und Umwelt seit der industriellen Revolution große Mengen an fossil konservierten Kohle-, Öl- und Erdgasvorkommen abgebaut und durch Verbrennung der Atmosphäre in Form von CO2 zugeführt wurden, ist derzeit nicht vom Beginn eines neuen Glazials auszugehen.

In Süddeutschland lassen sich aus den Moränen der Alpengletscher vier vergangene Eiszeiten rekonstruieren. Diese Eiszeiten wurden nach Flüssen benannt, die diese Moränen durchschneiden: Die älteste war das ca 900.000 bis 650.000 Jahre zurückliegende Günz-Glazial, gefolgt vom circa 460.000 bis 400.000 Jahre zurückliegenden Mindel-Glazial. Die vorletzte Kaltzeit war vor circa 150.000 Tausend Jahren das Riss(alternative Schreibweise: Riß)-Glazial und vor erst 11 Tausend Jahren endete das Jüngste, das Würm-Glazial.

Massenaussterben

Flora und Fauna

Im Quartär ging die Artenvielfalt deutlich zurück, weshalb das Zeitalter in Expertenkreisen teilweise als das sechste Große Massenaussterben neben globalen Verheerungen wie der Kreide-Tertiär- und der Perm-Trias-Krise bezeichnet wird. Besonders die spätneogene Megafauna ging im Pleistozän verloren. Teilweise geschah dies durch den klimabedingten Verlust ihrer Lebensräume, teilweise aber auch durch den Jagddruck von Seiten der jungen Menschheit. Besonders fluchtunfähige, zutrauliche und schmackhafte Tiere fielen dem Menschen zum Opfer, so zum Beispiel der Riesen-Moa oder die Dronte. Vertreter wie Glyptodon, das südamerikanische Riesengürteltier, waren als Beute der frühen Menschheit prädestiniert, sie waren langsam, mit Waffen leicht zu töten und lieferten Nahrung für einen längeren Zeitraum.

Auch Taxa wie das sibirische Mammut, das Elasmotherium (Wollhaarnashorn) oder das amerikanische Mastodon fielen vermutlich trotz ihrer Wehrhaftigkeit der Bejagung durch die neue Spitze der Nahrungskette zum Opfer, wobei im Fall der Wollhaarvarianten der Elefanten und Nashörner wohl auch das Klima eine große Rolle bei ihrem Aussterben spielte.

Tatsächlich hat der Mensch auch seine Rivalen aus der Familie Carnivora stark dezimiert, vor allem Europa ist sehr raubtierarm, was heutzutage die Regulierung der Wildbestände durch Jagd notwendig macht. Bären, Wölfe, Luchse und Wildkatzen sind in Mitteleuropa rar geworden. Die bis in die Würmzeit noch Europa besiedelnden Höhlenlöwen, Höhlenbären und Höhlenhyänen sind inzwischen vollständig ausgestorben. Auch auf anderen Kontinenten sind natürliche Räuber selten geworden, viele stehen auf der Roten Liste der bedrohten Arten.

Auch die Pflanzenwelt hat unter der Expansion des Menschen gelitten. War die initiale Lichtung der dichten Urwälder in den temperierten Zonen eine Chance für die Artenvielfalt der Wiesen- und Heidepflanzen, so sorgen Herbizide und Monokultur-Anbau mittlerweile zu einem starken Rückgang der Pflanzenvielfalt.

Der Mensch vernichtet als terraformende Spezies auch große Areale an Lebensraum, was sie für einheimische Arten unbewohnbar macht. Durch das Trockenlegen von Sümpfen, das Abholzen von Wäldern, das Umleiten oder Aufstauen von Flüssen, der Bodenversiegelung zum Städtebau und nicht zuletzt einer Atmosphärenveränderung durch Abgase und einem damit zusammenhängenden Klimawandel verändert er die Erdoberfläche mit nie dagewesener Geschwindigkeit. Tiere und Pflanzen können sich meist nicht schnell genug anpassen, um mit der raschen Umweltveränderung Schritt halten zu können und viele von ihnen werden im Umfeld des Menschen auch nicht geduldet. Stand 2019 stehen 28.338 Arten von Tieren und Pflanzen auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Man geht davon aus, dass pro Jahr ca. 11.000 bis 56.000 Tierarten aussterben. Obwohl aufgrund der Unvollständigkeit des Fossilberichts keine konkreten Aussagen über den prähistorischen Status quo bei diesem Wert getroffen werden können, wird abseits großer Aussterbeereignisse meist von einer Extinktionsrate von ca. 10 bis 100 Arten pro Jahr ausgegangen. Ein Anstieg dieses Wertes um den Faktor 100 stellt also eine eindeutige Anomalie dar.

Entwicklung des Menschen im Quartär

Zur Entwicklung der Menschheit gibt es eine Vielzahl an Hypothesen und möglichen Erklärungen. Zwei der populärsten davon sind die Out-of-Africa-Hypothesen I und II. Beide nennen Afrika, speziell den Ostafrikanischen Grabenbruch als “Wiege der Menschheit”, von wo aus sich unsere Vorfahren in mehreren Auswanderungswellen auf den Kontinenten verbreiteten. Bei allen hier genannten Informationen gilt zu beachten, dass es sich um nur eine von unendlich vielen möglichen Rekonstruktionen der Geschichte unserer Gattung handelt.

Die Menschheit begann das Quartär noch in der gebeugten, halb-quadrupedalen Gestalt des Homo rudolphensis. Die Art stammte vermutlich direkt von Australopithecus afarensis ab, wobei die genauen Verwandtschaftsverhältnisse im menschlichen Stammbaum noch immer umstritten sind.

Auf Homo rudolphensis folgte vor ca 2,1 Millionen Jahren Homo ergaster. Homo ergaster lebte zeitgleich mit zwei anderen, nahe verwandten Menschenarten, Australopithecus africanus und Homo habilis. Beide Arten starben kurz nach Auftreten von Homo ergasters Nachfahren, Homo erectus, aus, allerdings machte Homo habilis zuvor noch eine bedeutende Entdeckung, die Herstellung und den Gebrauch von Werkzeug. Die Geschichte von Werkzeugen wie Ästen und Steinen reicht bis in die prähumane Zeit zurück. Man geht davon aus, dass bereits frühe Formen von Australopithecus Objekte seiner Umgebung zur Selbstverteidigung nutzen konnte. Mit Knochenfunden von Homo habilis wurden jedoch erstmals bewusst veränderte Naturmaterialien gefunden, die als Werkzeug dienten, z. B. geschärfte und zugespitzte Steine.

Der nächste Hominide, nach Homo ergaster, in unserer vermutlich direkten Abstammungslinie war vor 2,0 Millionen Jahren Homo erectus, der aufgerichtete Mensch. Fossilfunde in Südasien belegen, dass das Verbreitungsgebiet dieses reinen Zweibeiners bereits über den afrikanischen Kontinent hinausreichte. Da der letzte Australopithecus um diese Zeit herum ausstarb und auch die Artenvielfalt des Parallelstrangs zur Menschheit, Paranthropus, während dem folgenden Jahrmillion auf Null sank, ist davon auszugehen, dass Homo erectus die konkurrierenden Hominiden verdrängte. In vielen asiatischen Ländern, vor allem in China, hielt sich lange der Irrglaube, dass die asiatische Ethnie nicht derselben Abstammungslinie wie der Homo sapiens entstammte, sondern eine direkte Weiterentwicklung des Homo erectus sei. Dies ist inzwischen wissenschaftlich widerlegt, dennoch hält sich die Theorie hartnäckig in einigen Regionen.

Wie lange Homo erectus tatsächlich die Welt dominierte ist unbekannt. Knochenfunden von 2019 nach, die auf das Riss-Würm-Interglazial datiert werden konnten, lebte Homo erectus noch bis vor 117.000 Jahren, zumindest auf der Insel Java in Indonesien. Die letzten verbliebenen Vertreter mussten jedoch in der Würmzeit einer neuen Art Platz machen, mit geschickteren Händen, weiter entwickelten Werkzeugen und einem größeren Hirnvolumen. Der moderne Mensch, Homo sapiens, eine Art, die sich vermutlich während der späten Mindelzeit in Ostafrika entwickelt hatte, stand seinem Vorfahren in punkto Expansionswillen in nichts nach. Nach der Eroberung des afrikanischen Kontinents breitete sich die Art nach Europa und Asien aus. Gebirge stellten ein enormes Hindernis dar, aber bis vor ca 40.000 Jahren hatte Homo sapiens selbst abgelegene und nahezu unzugänglichen Gebiete Eurasiens wie zum Beispiel die Iberische Halbinsel erobert.

In den kältesten Jahrtausenden der Würm-Eiszeit sank der Meeresspiegel auf ein Niveau, das Indonesien und die Aleutenkette zu langgezogenen Landbrücken werden ließ. In diesen Zeiten verbreitete sich Homo sapiens bis nach Australien und Amerika. Der einzige Rivale, der ihm in dieser Ausbreitung entgegenstand, war Homo neanderthalensis. Wo genau der Neandertaler entstanden war, ist unbekannt, allerdings beschränkte sich seine Verbreitung auf Europa und Vorderasien, was eine weitere Out-of-Africa-Entwicklung unwahrscheinlich macht. Der Neandertaler war dem Homo sapiens körperlich leicht überlegen, auch sein Hirn war größer als das von Homo sapiens, wenn auch vermutlich weniger stark gefurcht. Eine Parallelexistenz beider Arten von Menschen war selten von langer Dauer, und die Beziehungen zwischen beiden können nur erahnt werden. Bekannt ist nur, dass charakteristische Werkzeuge von Homo neanderthalensis auch in Homo sapiens-Siedlungen gefunden wurden. Ob es sich dabei um Handelsgüter, Fundsachen oder Kriegsbeute handelt, ist unbekannt. In jedem Fall verschwand der Homo neanderthalensis meist kurz nach Eintreffen des Homo sapiens. Obwohl die Theorie einer Verpaarung beider Arten noch immer besteht, konnte sie bislang nicht bestätigt werden. Bis vor circa 30.000 Jahren, also noch während der Würm-Eiszeit, starb der Neandertaler als solcher aus, und Homo sapiens war die letzte überlebende Art seiner Gattung.

Rascher als jede Spezies vor ihr entwickelte sich Homo sapiens zum “Global Player”. Die Fähigkeit, komplexe, schlagkräftige Werkzeuge zu konstruieren war ein entscheidender Vorteil im Vergleich zu Raubtieren, die auf ihre begrenzte Zahl biologischer Merkmale beschränkt war. Das hochentwickelte Gehirn des Menschen ermöglichte ihm neben Kommunikation und Rudelbildung das Konzipieren von Fallen zum Beutefang. Außerdem zeichnete sich der Mensch durch eine hohe Ausdauer aus. Im Gegensatz zu vielen anderen Räubern setzt der moderne Mensch nicht auf hohe Geschwindigkeit und eine schnelle Überwältigung der Beute, er bewegte sich stattdessen energiesparender und spezialisierte sich auf die Verfolgungsjagd, wobei vor allem Fähigkeiten wie das Fährtenlesen wichtig wurden. Fliehende Beute musste sich ausruhen, Energie schöpfen, kontinuierlich grasen, und diese Gelegenheiten nutzte der Mensch dann zum Angriff.

Dieser erfolgte meist auf weite Distanz mittels Wurf-, Schleuder- und später Schusswaffen. Die Möglichkeit, ein Tier erlegen zu können, ohne sich in dessen Reichweite begeben zu müssen, war ebenfalls ein entscheidender Vorteil, sowohl gegen wehrhafte Beutetiere, als auch gegen Raubtiere.

Ein weiterer Vorteil des Menschen war seine omnivore Ernährung, die von hartschaligen Pflanzen, über Früchte, Samen und Wurzeln bis hin zu Fleisch und anderen Tierprodukten reichte. Er war nicht rein auf einen Jagderfolg angewiesen, um gut überleben zu können.

Umstritten ist, seit wann Hominiden Feuer aus natürlichen Quellen wie Blitzschlag nutzten. Einigen Vermutungen nach nutzten schon Homo habilis und die späten Australopithecinen das Feuer zur Nahrungszubereitung und -desinfektion, sowie zur Abwehr von Raubtieren, als Licht- und Wärmequelle und als Kommunikationssignal. Unter Homo erectus und Homo sapiens diente das Feuer schließlich auch der Treibjagd. Die Angstwirkung des Feuers konnte genutzt werden, um Tiere in eine bestimmte Richtung zu lenken; indem man bestimmte Areale eines Walds in Brand setzte konnten Tiere in Richtung der Jäger oder der Fallen getrieben werden. Während des letzten Glazials, der Würm-Kaltzeit, entdeckte der Mensch zudem, dass ihre Hornsteinwaffen und -werkzeuge durch Feuereinwirkung härter wurden, ein Prozess, der Tempern genannt wird. Feuer bereicherte den Menschen zudem um ein weiteres Farbpigment. Neben den seit jeher genutzten Ocker- und Rottönen, aus Lösserde, Lehmen und Blut, konnte jetzt auch mit schwarzer Kohle auf Fels und die Haut gezeichnet werden. Gegen Ende der Altsteinzeit, vor ca. 32.000 Jahren, werden Flintsteinknollen (eine mikrokristalline Quarzvariante) in den Höhlen des Homo sapiens prominenter. Mittels eines Flintsteins und einer Pyrit- oder Markasit-Klinge können gezielt Funken zur Feuerentfachung geschlagen werden.

Der Mensch ist auch die erste Tierart, die, nach menschlicher Definition des Wortes, eine Kultur entwickelte. Kunst, Kultur und Religion entwickelten sich vermutlich im Einklang miteinander. So ist zum Beispiel die Grotte Chauvet in der Ardeche Südfrankreichs eine der ältesten Fundstellen von Höhlenmalereien (ca. 35.000 Jahre alt). Gleichzeitig war die Höhle aber vermutlich auch eine religiöse Stätte, was aufgrund der gezielten, kreisförmigen Anordnung von Bärenschädeln in der Grotte vermutet wurde. Die ersten Naturreligionen entstanden vermutlich aus der Verehrung lebender natürlicher Vorbilder, vor allem Raubtiere, die für ihre Stärke und Schnelligkeit bewundert und beneidet wurden. Die Verehrung abstrakterer Naturelemente, wie z. B. den Geistern bestimmter Lebensräume, wie Flüsse oder Wälder und nicht zuletzt Sonne und Mond folgte erst deutlich später. Anhand rezenter Naturreligionen ist außerdem anzunehmen, dass Frauen ein magischer oder sakraler Charakter zugeschrieben wurde. Mutterschaft und speziell der lebensschöpferische Aspekt der Fortpflanzung wurde häufig als eine angeborene Macht der Frauen über das Leben und möglicherweise auch den Tod interpretiert. Intersexuelle Personen und solche nichtbinären Geschlechts wird in vielen dieser "ursprünglichen" Religionen ebenfalls ein sakraler Charakter zugeschrieben, da sie scheinbare Gegensätze in sich vereinen.

Aus diesen Grundelementen entwickelte sich später ein meist polytheistischer Götterglaube. Diese frühen Religionen versprachen den Menschen Sicherheit und Erfolg durch die Gunst der Götter, sofern er diese durch Kunst, Zeremonie, Opfergaben oder einen bestimmten Lebensstil gnädig stimmte.

Kunst hatte allerdings auch noch eine andere Funktion, die der Selbstdarstellung, der Verehrung anderer Menschen oder dem Überbringen, bzw. Konservieren von Botschaften. Meist ist aus heutiger Sicht jedoch nicht mehr eindeutig, welche Botschaft die damaligen Kultobjekte vermitteln sollten. Im Hohlenstein-Stadel, einer Höhle im Lonetal auf der Schwäbischen Alb, wurde eine circa 37.000 Jahre alte Figur aus Mammutelfenbein gefunden, die einen Mann mit einem Löwenkopf darstellt. Die Verknüpfung von Mann und Raubtier kann hier entweder zu Ehren eines starken Jägers oder Kriegers geschaffen worden sein, könnte aber auch einen religiösen Würdenträger, ein Fabelwesen oder einen Naturgeist darstellen, den es zu achten oder zu fürchten galt. Noch weiter geht die Schere der Bedeutungen bei der „Venus vom Hohlen Fels“ auseinander. Die 40.000 Jahre alte Darstellung einer üppig proportionierten Schwangeren könnte sowohl eine schöpferische Muttergottheit, eine konkrete Person aus dem Umfeld des Künstlers oder einfach ein fiktives Objekt sexueller Begierde darstellen. Letzteres ist in der Kunst bis heute nicht selten, auch in den Höhlen Chauvet und Lascoix wurden Genitaldarstellungen unkonkreter Personen beiden Geschlechts gefunden. Naturreligionen tendieren dazu, den lebensschöpferischen Anteil des menschlichen Lebenszyklus zu glorifizieren. Die Frau in ihrer Funktion als Mutter war und ist ein heiliges Symbol in vielen Naturreligionen.

Im Rahmen der Würm-Eiszeit, zwischen 100.000 und 15.000 vor heute gelang dem Mensch zudem die Domestikation des Wolfes zum Hund. Zunächst war es wohl noch eine sehr lose Bindung beider Arten. Wölfe folgten Menschen und bedienten sich aus deren Jagdabfällen, Menschen folgten Wölfen und jagten diesen die Beute ab. Dieses wechselseitige Profitieren entwickelte sich schließlich zu einer symbiotischen Beziehung. Die menschliche Nähe sicherte das Überleben der Wölfe und die Menschen profitierten von ihrer Fähigkeit, Beute im Sprint schneller zu verfolgen als ein Mensch es könnte.

Die Altsteinzeit (Paläolithikum) ging mit der sogenannten Neolithischen Revolution in die Jungsteinzeit (Neolithikum) über. Die Neolithische Revolution bezeichnet die Entwicklung einer Agrikultur, eines gezielten Pflanzenanbaus zur Nahrungsproduktion, sowie der Domestizierung verschiedener Tiere wie Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde. Da diese Entwicklung von Ort zu Ort früher oder später stattfinden konnte, sich vermutlich auch durch Nachahmung von „Kulturepizentren“ aus verbreitete und über einen längeren Zeitraum hinweg stattfand, kann die Neolithische Revolution nicht auf ein bestimmtes Jahrtausend datiert werden. Die Älteste Neolithische Revolution fand vermutlich im Fruchtbaren Halbmond Vorderasiens statt, einer Region zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris, und entlang der östlichen Mittelmeerküste, im Bereich des heutigen Israel. Hier werden die ersten Ackerbauspuren auf 9500 vor Christus datiert, wobei ein vereinzelt als Kornspeicher interpretiertes Gebäude aus Jordanien bereits 11 000 BC bestand. Weitere Kulturepizentren waren Südchina circa 7000 v. Chr., Neuguinea circa 6500 v. Chr, Mexico circa 3000 v. Chr., die Südamerikanische Westküste circa 2500 v. Chr. und die Mississippi-Region circa 2000 bis 1000 v. Chr. In Westeuropa kam die Neolithische Revolution von Vorderasien aus circa 5500 v. Chr. an. Die Konstruktion von Häusern war eine Entwicklung, die meist kurz vor oder kurz nach der Neolithischen Revolution stattfand.

Das erste Metall, dass Menschen in Vorderasien, Südosteuropa und Ägypten nutzbar machten, war das vergleichsweise stabile Edelmetall Kupfer. Die Kupfersteinzeit, die (wieder lokal unterschiedlich) von circa 5500 v. Chr. bis 2500 v. Chr. andauerte, zeichnete sich durch eine exzessive Nutzung des Metalls in Werkzeugen, Schmuckstücken und Waffen aus. Hauptquelle des Kupfers war der Malachitabbau in Syrien und Israel. In den speziell konstruierten Keramikhochöfen der Halaf-Kultur (Zentralsyrien) konnte das Kupfer bei Temperaturen von bis zu 1000°C aus den Erzen ausgeschmolzen und in Form gegossen werden.

Die wohl bekannteste der Fünf frühen Hochkulturen, Ägypten, etablierte sich circa 4500 vor Christus entlang des Nils, wo die jährliche Nilflut nährstoffreichen Schlamm mitbrachte und den Boden für Ackerbau prädestinierte. Kupferklingen an Erntewerkzeugen und Pflügen erleichterten die Arbeit erheblich. Da in den frühen Hochkulturen Nahrung nun im Überfluss vorhanden war, konnten die Menschen nun auch anderen Beschäftigungen und Gewerben nachgehen, eine soziale Arbeitsteilung entstand. Menschen spezialisierten sich auf einen bestimmten Beruf und begannen, ihre Technologien weiter zu verfeinern. Architektur, Kleidung, Kunst, Werkzeugherstellung, in allen Bereichen des damaligen Lebens wurde experimentiert. Ein Finanzsystem entwickelte sich, damit eine universelle Währung. Verwaltungsposten entstanden, Machtpositionen wurden vereint, Regierungsapparate etablierten sich, meist geführt vom erfolgreichsten, beliebtesten oder selbstbewusstesten Mitglied einer Kommune und dessen Erben. Das Konzept einer sozialen Hierarchie war nicht neu, aber in den frühen Hochkulturen wurde sie mehrstufiger und schwerer zu erklimmen.

Um dem Verlust von Wissen und Fortschritt entgegen zu wirken, entstanden im Nahen Osten mehrere komplexe Zeichensystem, die, von einem verständigen Auge gelesen, Wissen vermitteln konnte. Schrift, ein meist nur den höheren Bürgerschichten zugängliches Konzept, erlaubte die Dokumentation von wissenschaftlichen Entdeckungen, technischen Neuentwicklungen, Vermutungen oder rein fiktiver Prosa, sowie deren Konservierung für die Nachwelt. Mit der Schrift entwickelten sich auch neue Berufe: Schreiber, Übersetzer, Schriftgelehrter, Aktenverwalter. Die wohl älteste Schriftart aller Zeiten ist die mesopotamische Keilschrift (3400 vor Christus).

Vor circa 3000 Jahren gelang im Nahen Osten schließlich ein weiterer Durchbruch der Metallurgie: Die Vermischung von Kupfer und einem kleinen Anteil des unedlen Metalls Zinn erhöhte die Stabilität der entstehenden Legierung erheblich. Die heute unter dem Namen Bronze geläufige Legierung war so revolutionär, dass die gesamte Epoche von 2500 bis circa 880 vor Christus heute als Bronzezeit bezeichnet wird.

Ein beliebtes Beispiel für eine Bronzezeitliche Hochkultur ist das Alte Griechenland, wobei der Hellenismus, die griechische Kultur, in stetigem Wandel und einer kontinuierlichen Veränderung unterworfen war. Durch die Expansion der Griechen im Mittelmeerraum entstand eine Vielzahl unabhängiger Kolonien, die sich zwar grundlegend ähnelten, aber keine übergeordnete Regierung besaßen. Jede Kolonie hatte ihren eigenen Führungsstil, individuelle Gesetze und Normen, und eigene Herrschaftsansprüche über die anderen Kolonien.

Das Aufschmelzen von Eisenerzen brachte letztendlich ein noch härteres Metall hervor, dass der Zeit ab 880 vor Christus die Bezeichnung Eisenzeit auferlegte. Bis zur Gründung Roms 753 vor Christus war das Metall im ganzen hellenistischen Mittelmeerraum verfügbar und genutzt.

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Referenzen

Welt Kult-Ursprung – World origins of culture; Urgeschichtliches Museum Blaubeuren, ISBN: 9783799511681

Marianne Klemun: Questions of periodization and Adolphe von Morlot’s contribution to the term and the concept Quarternär (1854), in: R. H. Grapes, D. H. Oldroyd, A. Grigelis (Hrsg.), History of Geomorphology and Quaternary Geology, Geological Society Special Publication 301, London 2008, S. 19–32 (englisch).

International Stratigraphic Chart (Memento vom 12. Juni 2009 im Internet Archive)von 2008 (englisch; PDF).

Endgültige Ratifizierung (Memento vom 12. April 2010 im Internet Archive)auf Stratigraphy.org (englisch).

Gibbard, P. L., Head, M. J., Walker, M. J. C. and the Subcommission on Quaternary Stratigraphy. (2010) Formal ratification of the Quaternary System/Period and the Pleistocene Series/Epoch with a base at 2.58 Ma. J. Quaternary Sci., Vol. 25 pp. 96–102, Online: Abstract und Artikel

Vorlesungen des 2. Semesters Bc.S.Geowissenschaften „Erdgeschichte“ und „Einführung in die Systematik“, Ludwig-Maximilian-Universität 2020.

Vorlesung des 3. Semesters Bc.S.Geowissenschaften „Exogene Dynamik“, Technische Universität München 2020/2021

Weitere Informationen und Literatur

Lehrveranstaltungen

P3 Erdgeschichte
WP23 Evolution und Systematik

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Dieser Artikel wurde geschrieben und gegengelesen von:
Leonard von Ehr
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